Angesichts der Krise um die in Frankreich und den Niederlanden gescheiterten Volksabstimmungen über die EU-Verfassung stehen die Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel unter massivem Entscheidungsdruck.

Während es bei der Finanzplanung der Staatengemeinschaft vor allem um Macht- und Geldfragen geht, herrscht hinsichtlich der Zukunft der EU-Verfassung anscheinend vollkommene Ratlosigkeit. Der EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sagte: "Die beste Möglichkeit die Verfassung zu retten, ist, sich Zeit zur Besinnung zu nehmen."

Als derzeit dringlichste Aufgabe der EU bezeichnete Barroso, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen und für Wachstum, Arbeit, Sicherheit und Wohlstand zu sorgen. "Die Referenden haben die EU in Zweifel gestürzt. Wir müssen die Zweifel zerstreuen und den Bürgern das Vertrauen zurückgeben."

Die Verfassung dürfe nicht fallengelassen werden, sagte Barroso, denn "wir haben keine bessere Alternative". Wunderlösungen gebe es nicht. Deshalb müssten die EU-Institutionen und die Mitgliedstaaten Antworten auf die Fragen der Bürger finden, die bei den Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden aufgeworfen worden seien.

Bei der Finanzplanung der EU, dem zweiten großen Thema des Treffens, rief Barroso die EU-Staats- und Regierungschefs dazu auf, sich auf Kompromisse einzulassen. Nationale Egoismen dürften jetzt nicht im Vordergrund stehen.

Der zuletzt eskalierte Finanz-Streit zwischen Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und Großbritanniens Premier Tony Blair hatte aber die Hoffnung auf eine Lösung sinken lassen. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir die finanzielle Vorausschau auf diesem Gipfel nicht durchkriegen werden", sagte EU-Ratspräsident Jean-Claude Juncker am Mittwoch vor einem Ausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel. Dennoch unternahm Luxemburg einen möglicherweise letzten Kompromissversuch.