Im Grunde haben die Finanzminister der G8-Staaten nach jahrelangem Zögern vorige Woche nur den ersten Schritt auf einem Weg angekündigt, den sie über kurz oder lang ohnehin gehen müssen: Sie wollen 18 der ärmsten Länder rund 33 Milliarden Euro Schulden erlassen. Dies ist die einfachste aller Hilfestellungen, die reiche für arme Staaten leisten können – sie verzichten auf Geld, das sie ohnehin niemals wiedergesehen hätten.

Die Liste der Begünstigten sollte man allerdings nicht genauer anschauen, sonst wiegen die Bedenken so schwer wie die abgeschriebene Schuldenlast. Äthiopien steht da, eines der ärmsten Länder der Welt. Trotzdem hat es sich unlängst einen Krieg gegen den Nachbarn Eritrea geleistet, der insgesamt knapp drei Milliarden Dollar gekostet hat. Das Land exportiert Rekordernten, während Millionen hungern. Vorige Woche wurden in der Hauptstadt Addis Abeba Demonstranten niedergeprügelt, die die Regierung des Wahlbetrugs bezichtigten; 30 Menschen starben.

Bleibt nur zu hoffen, dass das Regime die erlassenen Zahlungsdienste in Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Ernährung ummünzt. Dass es nicht weiter aufrüstet gegen das eigene Volk und für den nächsten Krieg nicht shoppen geht auf dem globalen Waffenbazar. Dann wäre der Erdenkreis der Obszönitäten nämlich wieder geschlossen. Weil fünf G8-Staaten, darunter Deutschland, verantwortlich sind für 89 Prozent der Rüstungslieferungen an Entwicklungsländer.