Der freundschaftlichen Umarmung folgten schnell hehre Worte. "Ein klares Bekenntnis zu Europa" sei der mehr als 15 Milliarden Euro schwere Zusammenschluss der Münchner HypoVereinsbank (HVB) mit der italienischen UniCredit , hieß es auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Montag. "Dieter" und "Alessandro" sprachen von Vertrauen und von der Chemie, die stimme. Später dann erläuterten Dieter Rampl und Alessandro Profumo, die Vorstandschefs von HVB und UniCredit, die Details der größten Bankenfusion des Kontinents. BILD

Eine entscheidende Frage aber klärten Rampl und Profumo nicht: Warum stimmt die HVB einer Fusion zu, die einer Übernahme gleichkommt?

Wiederholt hatte Rampl in der Vergangenheit betont, die lange von Altlasten geplagte HVB sei "besenrein". Warum hat er sich dann der UniCredit an den Hals geworfen – und das per Zeitungsinterview? Die UniCredit sei "eine von mehreren italienischen Banken, die für uns attraktive Partner sein könnten", sagte Rampl Ende April der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Im gleichen Atemzug gab er unverhohlen zu, dass seinem eigenen Haus in einer solchen Verbindung nur noch die Rolle des Juniorpartners zukäme. Deutlicher kann ein Heiratsantrag im sonst so diskreten Bankgewerbe nicht ausfallen. Insbesondere die starke Stellung einer möglichen neuen Bank im Wachstumsmarkt Osteuropa ließ an der Börse und in den Medien Euphorie aufkommen. Die Frage nach dem Motiv der HVB jedoch blieb im Rausch der Zahlen und Personalien bis heute unbeantwortet.

Das könnte sich rächen. Denn nach Ansicht von Bankexperten ist die Bilanz der HVB alles andere als "besenrein". Vielmehr rettet sich das Geldhaus in die Obhut der UniCredit. Und genau diese Bilanzrisiken könnten die geplante Fusion noch scheitern lassen.

Rampls Vorgehen deute "auf eingetrübte Zukunftsperspektiven hin", meint Olaf Kayser, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Vielleicht sei "weiterer Abschreibungsbedarf entstanden". Damit spielt Kayser vor allem auf die Problemkredite der HVB im Immobiliensektor an. Viele davon wurden noch vor der Fusion von Hypo-Bank und Bayerischer Vereinsbank zur HVB im Jahr 1998 vergeben. Die Krise des Immobilienmarktes führte wiederholt zu Abschreibungen, Verlusten in Milliardenhöhe und einer bis dato einmaligen Schlammschlacht der beteiligten Führungskräfte. Nach seinem Antritt als Vorstandschef machte sich Rampl 2003 an die Sanierung des Hauses. Noch im Januar dieses Jahres korrigierte er den Wert fauler Kredite, die insbesondere in Ostdeutschland vergeben wurden, um rund 2,5 Milliarden Euro nach unten. Diese Berichtigungen "reichen aus", so Rampl damals. Die HVB glaubt sich seitdem von Altlasten befreit.

Die Last der Immobilienkredite wird die HVB nicht los

Anders sieht das die Finanzszene. Schon wird über weitere Wertberichtigungen spekuliert. "Bis zu fünf Milliarden Euro", sagt ein intimer Kenner der Bank, könnten nötig sein. Eine allein stehende HVB könnte das nicht mehr verkraften.

Noch im Januar hatte die Ratingagentur Standard & Poor’s die Aktie der HVB auf die Beobachtungsliste gesetzt, mit negativem Ausblick. Damit begann eine Art Ultimatum von maximal sechs Monaten Dauer. Probleme im zweiten Quartal 2005 würden vielleicht, weitere Wertberichtigungen ganz sicher eine Abwertung der mit "A-" ohnehin schon schwach bewerteten HVB nach sich ziehen.