DIE ZEIT: 18 der ärmsten Länder, davon 14 in Afrika, wollen die Industrienationen entschulden. Ein "historischer Beschluss", urteilt Finanzminister Eichel – sind Sie auch begeistert?

Eveline Herfkens: Die Entscheidung der G8-Staaten ist ein großer Schritt. Allerdings mache ich mir schon noch Sorgen, wie die einzelnen Geberländer ihren Beitrag finanzieren.

ZEIT: Allein auf Deutschland kämen Kosten von jährlich 30 bis 40 Millionen Euro zu.

Herfkens: Die Frage ist: Wird tatsächlich zusätzliches Geld fließen? Oder werden die Summen auf das Entwicklungsbudget angerechnet und von dessen Erhöhung auf 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2015 abgezogen, zu der sich die EU-Minister gerade verpflichtet haben? Da muss man die Regierungen jetzt genau beobachten.

ZEIT: Finanzexperten kritisieren solche mildtätigen Schuldenerlasse: Die betroffenen Länder müssten mehr Haushaltsdisziplin üben. Setzt gezielte Entwicklungszusammenarbeit nicht eher an den Wurzeln der Probleme an?

Herfkens: Beides ist notwendig. Aber Schulden zu erlassen ist viel wirksamer. Denn all die komplizierten Instrumente der klassischen Entwicklungszusammenarbeit mit ihren Kosten und Reibungsverlusten sind dann nicht mehr zwischengeschaltet. Es ist doch besser, wenn die Staaten eigenständig und langfristig planen – wenn sie direkt ihren Lehrern die Gehälter auszahlen oder Gesundheitsprogramme finanzieren können.

ZEIT: Falls das Geld nicht irgendwo auf der Strecke bleibt…