Wochenlang steckte die ARD in einem grässlichen Dilemma. Weil die Tagesthemen nächstes Jahr von 22.30 Uhr auf 22.15 Uhr vorgezogen werden sollen, ergab sich ein Entscheidungskonflikt: Muss die ARD ihre Politmagazine kürzen? Oder stattdessen den Tatort, gar die Arztserie In aller Freundschaft? Gramvoll zogen die Intendanten ihre Stirnen kraus, sobald die Rede auf die Schrumpfung kam - es ist schwer, böse zu sein. Manchmal taten sie uns fast leid und wir vergaßen glatt, dass sie ihr Dilemma selbst verursacht hatten. Wer zwingt eigentlich die ARD, die Tagesthemen zu verlegen? Das ZDF? Oder die Schleichwerbekunden? Am letzten Dienstag rangen die Entscheidungsträger sich zu einem Beschluss durch: Monitor, Fakt, Panorama, Kontraste sowie Report Mainz und Report München werden gekürzt. Von 45 auf 30 Minuten. Das ist ein Drittel vom Herzstück, vom Kerngeschäft der ARD. Denn die Politmagazine sind die Inkarnation jenes öffentlich-rechtlichen Auftrags, uns zahlende Zuschauer über die politische Lage kritisch und halbwegs ausführlich zu informieren.

Gibt die politische Lage nicht mehr als 30 Minuten her? Vielleicht ist es besser, wenn wir in künftigen Regierungskrisen nicht durch zu ausführliche Berichterstattung über komplizierte Nebensächlichkeiten wie ein linkes Wahlbündnis abgelenkt werden, sondern uns auf das Wesentliche, nämlich Angela Merkel, konzentrieren. Der WDR-Intendant Fritz Pleitgen jedenfalls verkündete auf dem Fest zum 40. Geburtstag von Monitor, 30 Minuten seien nicht das Ende des investigativen Journalismus. Wo beginnt denn das Ende? Bei 20 Minuten?

Oder erst, wenn das Qualitätsfernsehen zugunsten der Arztserien abgeschafft ist? Wir werden es bestimmt noch erleben.