Man kennt ihn zu Genüge, den sich selbst überschlagenden, wild durchrhythmisierten magischen Realismus des Emir Kusturica. In seinem neuen Film Das Leben ist ein Wunder führt er seine barock überhöhte Erzählweise zum Exzess - und wagt sich zurück in die Neunziger, zum Beginn des jugoslawischen Bürgerkriegs. Hier, in einem mehrheitlich von Serben bewohnten kleinen bosnischen Dorf, wird der Krieg zum Anlass, ein großes, lautes, buntes, umfassendes Kusturica-Chaos zu inszenieren. An jeder Ecke lauert ein Orchester, stets bereit, den Turbulenzern ihren Drive zu verpassen.

Kusturicas Held, der brave Serbe Luka, stolpert mit seiner Familie in den Krieg, verliebt sich in eine muslimische Kriegsgefangene und pflegt ansonsten ein lustiges, von allerlei komischen Haustieren begleitetes Leben und Lebenlassen. Der Krieg: eine Knallerei, irgendwo da draußen, begleitet von den dümmlichen Kommentaren amerikanischer Fernsehmoderatorinnen. Die serbische Armee: eine Einheit anständiger Soldaten, die sich gegen ein paar schwarze Schafe und Geschäftemacher wehren muss. In Das Leben ist ein Wunder sind Konfusion und Relativismus nicht mehr zu unterscheiden, wird der Krieg zum Trampolin für plumpen Slapstick, schwitzige Kerlereien und vulgäre Gag-Kaskaden. Vor dem realen Konflikt, seinen Massakern und ideologischen Motivationen verschließt Kusturica genauso die Augen wie vor den ethnisch-religiösen Ressentiments der Durchschnittsbevölkerung. Auch seine Figuren bleiben diesmal Marionetten, die allein dem euphorischen Chaos und der Verdrängungssucht ihres Regisseurs zu dienen haben.