Eigentlich haben sie doch gar nichts Böses gesagt. Am Wochenende verlangte Finanzminister Hans Eichel, die Beschäftigten sollten nicht nur am Risiko, sondern auch an den Chancen beteiligt werden. Und sein Partei- und Kabinettskollege Wolfgang Clement möchte, dass gut verdienende Branchen die Einkommen ihrer Angestellten aufbessern - vorübergehend, damit den Firmen in der nächsten Krise kein Schaden entsteht. Selbstverständlich wussten die beiden, dass sie mit ihren Äußerungen ein Stück hinüberrücken zu Gewerkschaften und SPD-Traditionalisten. Der Parteichef griff die Interventionen denn auch gerne auf.

Zweifel sind erlaubt, ob es gelingt, das Angebot an die Wähler rechts zu erhalten und gleichzeitig die Nachfrage links zu befriedigen. Doch nimmt man die Minister Wort für Wort, haben sie natürlich Recht. In der globalen Marktwirtschaft wenden sich die Schicksale schnell. Läuft es schlecht, müssen die Mitarbeiter für dasselbe Geld länger arbeiten oder auf ihr Weihnachtsgeld verzichten. Weil das tausendfach geschah, hat Deutschland im Vergleich zu anderen Industrieländern ein kleines Lohnkostenwunder vollbracht. Wo die Profite aber steigen, dürfen die Mitarbeiter mit allem Recht der Marktwirtschaft einen Bonus verlangen.

Freilich: Eichel und Clement fordern nichts anderes als Flexibilität im Tarifgeschäft - von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Denn nicht nur die Branchen entwickeln sich immer unterschiedlicher, sondern auch einzelne Unternehmen innerhalb der Branchen. Folglich kommt man an mehr betrieblicher Lohnbestimmung nicht vorbei, will man Jobs erhalten und trotzdem Arbeitnehmer am Erfolg beteiligen. Da rücken dann allerdings die Traditionalisten schnell wieder ab.