Nino Calarco zählt zu den Honoratioren Messinas. Er ist seit 1968 Chefredakteur des lokalen Zeitungsmonopols Gazzetta del Sud. Von seinem gewaltigen Büro aus versucht er, die Brücke herbeizuschreiben. Zwei Dutzend Ministerpräsidenten hat der ehemalige Senator und Ehrenpräsident der Brückengesellschaft Stretto di Messina bekniet und ist dabei nicht zimperlich. "Wenn die Mafia die Brücke bauen kann, dann herzlich willkommen, Mafia", hat er vor zwei Jahren einem Fernsehreporter in die Kamera gesagt. "Das war natürlich nur ein Witz", versichert er heute. Lachen kann darüber kaum jemand.

Zu real ist die Gefahr, dass sich die Mafia einen Löwenanteil des Sechs-Milliarden-Projekts abzweigt. Auf beiden Seiten der Meerenge ist sie besonders stark, in Reggio sollen 70 Prozent aller Unternehmen Schutzgeld zahlen. Gerade hat der regionale Industrieverband Militärunterstützung gefordert. "Die Mafia ist eine Realität", gesteht auch der italienische Verkehrsminister Pietro Lunardi ohne Umschweife. Für den Brückenbau sei deshalb ein Maßnahmenbündel geplant, wie es noch nie eines gegeben habe. Dazu gehören die Zertifizierung aller Lieferanten und die Gründung einer Sicherheitskommission. Der Geschäftsführer der Brückengesellschaft, Pietro Ciucci, hofft auf die Medien. "Dass alle Arbeiten auf sehr kleinem Raum unter großer öffentlicher Beobachtung stattfinden werden, sorgt automatisch für einen Schutz vor der Mafia."

Die hat allerdings längst ihren Fuß in der Tür. Viele Grundstücke entlang der Brückenrampen hatten schon den Besitzer gewechselt, bevor die Baupläne öffentlich wurden. "Die Brücke wird das Geschäft des Jahrhunderts", sagt Carlo Vizzini. Der Senator aus Palermo ist Mitglied der nationalen Anti-Mafia-Kommission und gehört Berlusconis Partei Forza Italia an. Von dessen Lieblingsprojekt hält Vizzini überhaupt nichts. "Wegen der Größe der Investition und der Interessen, die dabei im Spiel sind, kann sich die Präsenz der Mafia durchaus zu einem Problem internationaler Dimension auswachsen."