Es kommt nicht häufig vor, dass leere öffentliche Kassen der Wissenschaft nutzen. Normalerweise geschieht das Gegenteil. Im Fall des umstrittenen Förderprogramms zur Spitzenforschung könnten die Universitäten indes zum Profiteur der desolaten nationalen Haushaltslage werden. Wider Erwarten haben sich die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern bei der so genannten Exzellenzinitiative auf einen Kompromiss verständigt, gegen den niemand mehr Einwände erhebt. Nächste Woche soll die Einigung nach einem Treffen der Ministerpräsidenten beim Bundeskanzler offiziell unterschrieben werden.

Geburtshelfer der politischen Zangengeburt ist der prognostizierte Machtwechsel in Berlin. Eine neue Regierung, so das Kalkül der Wissenschaftsminister, werde nach einem Kassensturz einen Haushaltsnotstand verkünden. Damit wäre der Elitewettbewerb endgültig tot, die Universitäten müssten auf zwei Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren verzichten.

Diese Gefahr scheint nun abgewendet. Selbst Roland Koch, der letzte Quertreiber unter den CDU-Ministerpräsidenten, soll zufrieden sein.

Bis zuletzt umstritten blieb - neben der finanziellen Unterstützung von Graduiertenschulen und Forschungsverbünden - die dritte Säule des mehrteiligen Programms. Damit sollten besonders gelungene Strategien belohnt werden, mit denen deutsche Hochschulen in die internationale Forschungsspitze vorstoßen wollen. Genau diese Förderung durch den Bund wurde als ungehörige Einmischung in die Länderinteressen interpretiert.

Der jetzige Kompromiss besänftigt die Landesfürsten mit semantischen Retuschen. Statt von Strategien ist nun von Projekten die Rede, statt Spitzenuniversitäten sollen nun Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung gefördert werden. Das Ziel bleibt dasselbe: in einem nationalen Wettstreit diejenigen Universitäten auszuzeichnen, die langfristig das Potenzial haben, den Stanfords und Oxfords dieser Welt Paroli zu bieten.

Die Sieger des 18-monatigen Stellungskrieges um die Exzellenzinitiative werden deshalb die prämierten Hochschulen sein. Einzelne deutsche Wissenschaftler oder Fakultäten können sich durchaus mit den besten der Welt messen. Deutsche Hochschulen als Ganzes können es nicht. Das neue Programm ist ein Schritt, daran etwas zu ändern.

Beschädigt ist dagegen die Wissenschaftspolitik, im Bund wie in den (christdemokratisch regierten) Ländern. Zwar kann sich Ministerin Bulmahn rühmen, den Exzellenzwettbewerb in die Welt gesetzt zu haben. Bei der Umsetzung jedoch stolperte sie von Fehler zu Fehler. Sie wählte für die sinnvolle Idee eine alberne Marketing-Verpackung (Brain up), weihte selbst die SPD-regierten Bundesländer nicht in ihre Pläne ein und stieß die Wissenschaftsminister der CDU mit verfrühtem Siegesjubel vor den Kopf.