Samstags ist edel besuchte Prominentensause mit Käfer-Büffet, sonntags dann Familienbegehung möglich (Kinder sind von den Verantwortlichen mit besonderer Sorgfalt zu behandeln), vis-à-vis von der Staatskanzlei, im Münchner Haus der Kunst. Auf den Terrassentischen oberhalb der Diskothek P 1 liegen bunte Brausetabletten in Herzform aus, und das Augustiner ist so kalt wie der Eisbach, in dem US-Soldaten im Look der Kolonialzeit baden, ehe sie auf Planwagen eine Runde durch den Englischen Garten drehen, um daran zu erinnern, wie früher einmal der Westen gewonnen wurde. Der Folklore-Treck wird geleitet von dem Künstler Paul McCarthy, einem jetzt 60 Jahre alten, manchmal grimmig, manchmal entschlossen gaga wirkenden Bartmann im Karohemd.

Hoch herab vom Dach grinsen die Blumen des Bösen - überdimensionale Plastikgeranien, gefährlich wie fleischfressende Pflanzen. Und drinnen tobt Paul McCarthy auf 2500 Quadratmetern durch den amerikanischen Albtraum, dass es einen mitunter würgen kann. LaLaLand Parodie Paradies, die bisher größte Einzelausstellung des früheren Botschafters der Body Art aus dem Mormonenstaat Utah, lässt den Besucher buchstäblich auf zwei riesige Rauminstallationen knallen. Pirate und Western Projekt sollen zeigen, dass es in der Historie von Gottes eigenem Land doch anders zuging, als Disney World und Hollywood die Welt glauben machen. Da blättert der Putz des Monumentalen, ob Schiff, ob Fort - und McCarthy haut noch tüchtig drauf. Die Videoprojektionen zeigen die Piraten als Folterer und die Soldaten als Penetrierer. Wer Abu Ghraib assoziiert, liegt im Sinne des Ausstellers nicht verkehrt - wer sich emotional heruntertemperieren will, meidet die Amputationen in den Splatterfilmen und geht zu den Skulpturen. Prompt wächst dort dem Kapitän Dick Eye ein knallroter Penis aus dem rechten Auge. Rund um die Installationen hat McCarthy bewusst verschiedene Utensilien liegen lassen: Spritzpistolen, Unterschenkel und natürlich auch die Kettensäge. Paul McCarthy ist mit Amerika noch lange nicht fertig.