Als am 26. Dezember die Wellen des Tsunamis weite Teile Südasiens überrollten, verfolgte die Weltöffentlichkeit entsetzt die verheerenden Auswirkungen der Katastrophe. Die Verwüstungen und Zerstörungen, die zunehmend sichtbar wurden, zeichneten ein derart apokalyptisches Bild, dass man sich kaum vorstellen konnte, wie die einstig paradiesisch anmutenden Urlaubsparadiese jemals wieder aufgebaut werden sollten. Der Flutwelle folgte eine Welle der Solidarität und eine Flut von Spenden.

Ein halbes Jahr später hat nun das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef Bilanz gezogen. "Dank der weltweiten Spendenbereitschaft ist kein Kind an Seuchen oder Mangelernährung gestorben", resümierte der Sprecher von Unicef in Indonesien, Anton Susanto, auf einer Pressekonferenz in Berlin. Das Kinderhilfswerk stellte für eine Million Menschen Trinkwasser bereit, impfte 1,2 Millionen Kinder und errichtete zweihundert provisorische Schulen. Nahezu jedes Kind in den betroffenen Gegenden kann mittlerweile wieder zur Schule gehen.

Der umfassenden Nothilfe schließen sich Projekte für den langfristigen Wiederaufbau an. Susanto betonte, dass es hierbei wichtig sei, neben Gesundheit und Bildung den Schutz der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Nach Schätzungen von Unicef benötigt mindestens ein Drittel der Kinder in dem Krisengebiet psychologische Hilfe; alleine in Indonesien hat die Flut 35.000 Waisen oder Halbwaisen hinterlassen.

Der Geschäftsführer von Unicef Deutschland sagte, dass die zerstörten Regionen zwar schnell, aber nachhaltig aufgebaut werden müssten. Deshalb sei es wichtig, dass die Instandsetzungsmaßnahmen gerecht verteilt und keine Bevölkerungsgruppe benachteiligt werde - was freilich in Ländern wie Sri Lanka und Indonesien nicht einfach ist, da dort seit Jahren anhaltende Konflikte schwelen.

Der Tsunami zerstörte viele beliebte Urlaubsparadiese, die eine wichtige Einnahmequelle der Länder waren. Schon bald, nachdem sich das Wasser wieder zurückgezogen hatte, tauchten erste Forderungen auf, Touristen sollten durch Reisen in die Regionen einen wirtschaftlichen Beitrag zur Aufbauhilfe leisten. Dabei wird leicht vergessen, dass der blühende Tourismus nicht nur positive Effekte für die Bevölkerung gebracht hatte: luxuriöse Hotelanlagen mit Golfplätzen und Swimming-Pools hatten viele Fischer von der Küste verdrängt. Die Lebenshaltungskosten waren in den Touristengebieten so stark gestiegen, dass etliche Familien verarmten, während gleichzeitig typische Phänomene wie Prostitution zunahmen. Heute mehren sich die Stimmen jener, die davor warnen, zu voreilig und unüberlegt in die Tourismusbranche zu investieren.

Auch Ulrich Füßler, Leiter der Asienabteilung der Nichtregierungsorganisation Misereor, weiß um die Probleme einer effektiven Aufbauhilfe. Entscheidend sei, dass die Opfer in die Prozesse des Wiederaufbaus einbezogen werden, sagt Füßler. Zudem müssten die Projekte auf langfristige Hilfsleistungen angelegt sein, die sicherstellten, dass alle Bevölkerungsgruppen profitieren. Unter diesen Umständen könnte der Tsunami vielleicht eine Chance für jene sein, die zuvor unter den negativen strukturellen Auswirkungen gelitten hatten.