Sie rissen Sitzschalen aus der Verankerung, schleuderten Feuerwerkskörper auf das Spielfeld und verwüsteten die Innenstadt von Celje. Die Gewalt deutscher Fußballfans während des Länderspiels in Slowenien im März dieses Jahres schockierte die Öffentlichkeit. Deutschland rüstet seitdem auf.

Diese Woche beginnt hierzulande der Confederations Cup. Nächstes Jahr um diese Zeit startet dann die Fußballweltmeisterschaft, das größte globale Sportereignis neben den Olympischen Spielen. Deutschland wird zum Magnet nicht nur für friedliche Fußballfreunde aus aller Welt. Gewaltbereite Fans und Hooligans müssen in Schach gehalten, politische Extremisten abgewehrt werden. "Die Sicherheitsbehörden bereiten sich auf alle denkbaren Gefahren und Risiken vor", sagt Bundesinnenminister Otto Schily.

Hilfreich dabei sind die High-Tech-Produkte aus den Forschungslabors der Industrie. Viele Unternehmen hoffen darauf, während der WM 2006 mit ihren Systemen den Durchbruch auf dem Weltmarkt zu schaffen. Mit dabei sind Elektronikriesen wie Siemens und Philips, Konzerne wie Cisco oder hoch spezialisierte Firmen wie TVI Lederer.

Die Computer des DFB sind Fundgruben für Datenhändler

Neue Computer- und Kommunikationsnetze sorgen in den Stadien für den schnellen Informationsfluss. Moderne Kamera- und Videotechnik liefert Bilder von Personen, die problemlos aus einem Pulk von Menschen herangezoomt werden können. Auch die Chipindustrie erhält die Chance, ihre neuesten Erfindungen im Großeinsatz zu testen. Erstmals werden hierzulande die Tickets im großen Stil mit Funkchips versehen, kurz: RFID.

Die Kehrseite der Technik: Weil sie das Sammeln, Auswerten und Vernetzen gespeicherter Informationen so einfach macht, gerät die Privatsphäre der Menschen ins Abseits. In den Computern des Deutschen Fußballbundes (DFB) werden am Ende die persönlichen Daten vieler Millionen Menschen schlummern – eine Fundgrube für kommerzielle Datenhändler aus aller Welt. Außerdem: Während sich die Fußballfans bislang anonym in den Stadien bewegen konnten, sind sie erstmals identifizierbar – und das samt Passnummer und Foto. Millionen von Zuschauern müssen damit rechnen, durchleuchtet zu werden.

Die Kontrolle darüber, was von der Polizei, dem DFB oder den Stadionbetreibern abgespeichert, ausgetauscht und vor allem wieder gelöscht wird, obliegt den Datenschützern. Doch deren Kompetenzen sind zersplittert, ihre Befugnisse begrenzt, die Paragrafen dehnbar, und das Personal ist knapp.

Die 64 Fußballspiele der WM werden in zwölf Stadien in acht Bundesländern ausgetragen. Jedes Land hat seine eigenen Gesetze und Kontrolleure. Und deren Zuständigkeit ist oft noch unterteilt: einerseits in die Aufsicht über die Behörden; andererseits in die Kontrolle der Privatwirtschaft. Das führt zum Beispiel in Hessen dazu, dass das Regierungspräsidium in Darmstadt den Deutschen Fußballbund überwacht, aber nicht weiß, was die Polizei so treibt. Der Hessische Datenschutzbeauftragte muss derweil die Behörden kontrollieren, dafür aber hat er keinerlei Kompetenzen, wenn es um den DFB oder den Stadionbetreiber geht. Überwachungskameras werden beispielsweise oft wechselseitig genutzt. Der Polizei ist dabei sehr viel mehr erlaubt als privaten Sicherheitsdiensten. Eine effektive Kontrolle droht im Dschungel der Paragrafen und Zuständigkeiten unterzugehen.