Der Hype hat auch Chinas Hinterhöfe erreicht. Ein Maler im Künstlerdorf Dafen bei Shenzhen

DIE ZEIT: Seit sechs Monaten feiern wir das Einsteinjahr, überall hängen Plakate mit Einstein-Zitaten. Ein Erfolg für die Wissenschaft in Deutschland?

Dieter Simon: Ob diese Strategie wirklich so glücklich ist, kann man sich fragen. Ich finde, es hat eher etwas Groteskes, wenn Einsteins Aussprüche nun bis ins letzte mecklenburgische Dorf getragen werden. Da laufen dann die Bauern morgens auf dem Weg in ihre ehemalige LPG an diesen Plakaten vorbei und lesen beispielsweise: Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen Was fragen die sich da wohl? Wie das Wetter wird oder ob die Ernte gut ausfällt?

ZEIT: Zugegeben, nicht jeder denkt gleich an die Relativitätstheorie. Aber ist Einstein nicht ein idealer Werbeträger, um die Bedeutung von Wissenschaft zu vermitteln?

Simon: Natürlich ist Einstein wahnsinnig populär. Er ist ja fast schon Pop-Art - ein Genie ohne Socken, das auch mal die Zunge herausstreckt. Aber will man den Leuten im Ernst sagen: Guckt euch den an und versucht, so zu werden wie er? Ich sehe da keine Brücke zur Wissenschaft.

ZEIT: Wie könnte man besser für die Wissenschaft werben?

Simon: Will man junge Leute für eine Sache begeistern, kann man doch nur mit der Sache selbst werben. In den früheren Jahren der Wissenschaft wurde daher die Bedeutung ganzer Disziplinen dargestellt. Das fand ich sinnvoll. Stellt man dagegen eine Person in den Mittelpunkt, wird es problematisch. Statt nur Einstein zu feiern, müsste man umschalten auf die Frage: Was ist an der Person Einstein für uns heute maßgeblich? Was kann man von ihm lernen?