Der polnische Ministerpräsident Marek Belka konnte sich die Ironie nicht verkneifen. "Na dann good luck", sagte er nach seiner Rückkehr aus Brüssel an die Adresse seines britischen Amtskollegen Tony Blair, der nun als Ratspräsident in der zweiten Jahreshälfte einen Kompromiss über den EU-Haushalt der Jahre 2007 bis 2013 erreichen soll. Im Gegensatz zu anderen Regierungschefs in Ostmitteleuropa nannte Belka aber keine Namen, als er den "Egoismus in den reichen Staaten der EU" als Ursache des gerade gescheiterten Gipfels nannte.

Im Dezember 2003 war ein Brüsseler EU-Gipfel vor allem wegen der kompromisslosen Haltung Polens zum Stimmrecht im Ministerrat geplatzt. Diesmal aber hatten die "ewigen Quertreiber" die Spitze des "Ost-Quintetts" Litauen, Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn übernommen, das in letzter Minute einen Rettungsversuch für den EU- Haushalt unternahm. "Als wir gehört haben, dass zu einer Einigung eine Milliarde Euro fehlen, haben wir angeboten, das Geld zusammenzubringen", sagte der slowakische Regierungschef Mikulas Dzurinda.

Europa sei eben nicht nur "ein Berg voller Geld", sagte Belka zum Angebot, auf 1,5 Milliarden Euro jährlich zu verzichten, wenn dies den Kompromiss ermögliche. Für Polen, wo sieben der zehn ärmsten Regionen Europas beheimatet sind, war das ein weit reichendes Zugeständnis. Auch die übrigen neuen EU-Mitglieder, die ein Jahr nach der Erweiterung noch weit vom durchschnittlichen Lebensstandard im Westen entfernt sind, hofften vergeblich, den "Reichen" einen Kompromiss abzuringen. "Was Tony Blair hier aufgezeigt hat, führt zu einem Europa der zwei Geschwindigkeiten", zeigte sich auch der tschechische Ministerpräsident Jiri Paroubek enttäuscht.

Mit ihrer Initiative hätten die Länder zeigen wollen, dass sie in der EU Verantwortung übernehmen wollten, sagte ein tschechischer Diplomat: "Anders als uns ständig vorgeworfen wird, sind wir eben nicht nur Billiglöhner, die an den Brüsseler Fleischtöpfen hängen." Zudem sei der Vorstoß "ein Versuch zur Abwehr von Nationalismen" gewesen, weil Ostmitteleuropa darunter wie kaum ein anderer gelitten habe: "Hoffentlich haben wir manchen die Augen geöffnet, die in den zehn Neumitgliedern nur Rivalen um die Gunst der USA sehen."

Die Abfuhr an die "Allianz der Billigen" dürfte eine herbe Enttäuschung für die Gesellschaften jener ostmitteleuropäischer Staaten sein, die wie die Polen und Tschechen noch über die europäische Verfassung abstimmen müssen. In polnischen Medien erschienen am Wochenende bereits bittere Kommentare, in denen Unverständnis über die Haltung der Briten zum Ausdruck kam. Noch während des Irak-Konflikts hatten Briten und Spanier mit den "neuen Europäern" gegen die Kriegsgegner Deutschland und Frankreich gestanden. Nun stellt man in Warschau desillusioniert fest, dass solche Freundschaften wohl beim Geld ihre Grenzen finden.