Der ehemalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine wird im Fall einer Neuwahl des Bundestags im Herbst für die Wahlalternative für Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) antreten. Lafontaine wurde am Samstag beim Landesparteitag in Köln auf den ersten Platz der Liste für Nordrhein-Westfalen gewählt. 124 der 162 Delegierten stimmten für Lafontaine als Spitzenkandidat an Rhein und Ruhr. Zuvor war der Saarländer offiziell in die Partei eingetreten. Bei den Beratungen über ein gemeinsames Linksbündnis mit der PDS gab es in den Landesverbänden der WASG aber keine einheitliche Linie.

In Berlin, Brandenburg, Thüringen und Bayern stimmten die Delegierten für eine Kooperation der WASG mit der PDS. Bei den WASG-Mitgliedern in Sachsen und Nordrhein-Westfalen war ein Linksbündnis dagegen umstritten. Lafontaine will gemeinsam mit dem PDS-Politiker Gregor Gysi als Spitzenkandidat für das angestrebte Linksbündnis in den Wahlkampf ziehen.

Das geplante Linksbündnis kommt nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid bundesweit derzeit auf 9 Prozent und wäre damit drittstärkste Kraft vor den Grünen und der FDP.

Der frühere SPD-Vorsitzende konnte die Mehrheit der Delegierten in Köln, von denen ihn einige mit Buh-Rufen und Pfiffen empfangen hatten, mit einer kämpferischen Rede einnehmen. "Hartz IV ist eine Enteignung der älteren Arbeitnehmer", rief Lafontaine. Die im Bundestag vertretenen Parteien bekämen ihre programmatischen Entwürfe nur noch von den Wirtschaftsverbänden. So sei eine Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht sinnvoll, sagte Lafontaine: "Wir brauchen ein Steuersystem, das die Wohlhabenden und Reichen stärker zur Kasse bittet." Lafontaine steht seit Tagen wegen einer umstrittenen Äußerung über "Fremdarbeiter" in der Kritik.

Der NRW-Vorsitzende der WASG, Hüseyin Aydin, rief die Delegierten zu einem "erbitterten politischen Kampf gegen den Neoliberalismus" auf. In den Bundestag zu kommen habe dabei jetzt zunächst "absolute Priorität". Die WASG hat nach eigenen Angaben bundesweit rund 6300 Mitglieder, davon gut 1800 in NRW.

Die WASG hält sich nach den Worten ihres Bundesvorstandsmitglieds Murat Cakir auch die Möglichkeit offen, bei einer vorgezogenen Bundestagswahl mit eigenen Kandidatenlisten anzutreten. An diesem Montag werde der Bundeswahlleiter ein Schreiben erhalten, in dem ihn die WASG über einen möglichen Wahlantritt informiere, sagte Cakir beim ersten Landesparteitag der sächsischen WASG in Dresden.

Auch die PDS Sachsen-Anhalt zeigte sich am Samstag offen für ein breites linkes Bündnis in Deutschland. Beim Parteitag in Wittenberg äußerten sich Politiker aber auch verärgert über die Dauer der Debatte um ein Zusammengehen von PDS und WASG.