Freiburg Auf einem Berg im Schwarzwald spüren Wissenschaftler im Auftrag der Bundesregierung verschiedenen Gruppen von Atomsündern nach. Mit einer Messstation für Radioaktivität in der Luft auf dem 1284 Meter hohen Schauinsland bei Freiburg will das Bundesamt für Strahlenschutz dazu beitragen, Atomwaffentests in der ganzen Welt zu verhindern. Die Anlage, die am Dienstag offiziell in das weltweite Überwachungssystem aufgenommen wurde, ist die einzige Messstation in Mitteleuropa.

"Wir setzen den Vertrag zum Verbot von Atomtests um", sagt Friedrich Gröning, stellvertretender Beauftragter der Bundesregierung für Abrüstung und Rüstungskontrolle. 1996 wurde der so genannte Atomwaffenteststoppvertrag unterzeichnet. Das Vertragswerk sieht ein Verbot von Tests mit Nuklearwaffen rund um den Globus vor. "Damit dieses Verbot eingehalten wird, ist eine weltweite Überwachung notwendig", betont Gröning.

Bislang wurde ein internationales Netz von 321 Messstationen aufgebaut. Sie registrieren und lokalisieren durch Explosionen hervorgerufene Erschütterungen der Erde. 80 dieser Stationen messen Radioaktivität in der Luft. So auch auf dem Schauinsland. Hier messen Wissenschaftler schon seit über fünf Jahrzehnten Schadstoffe in der Luft und auch Radioaktivität. Jetzt wurde die Station technisch für die neue Aufgabe aufgerüstet. "Diese Luftmessungen sind das Herzstück unserer Überwachung", sagt Gröning. Sie sollen beweisen, dass bei einer Explosion Atomprodukte im Spiel waren.

"Detoniert ein nuklearer Sprengkörper, so entsteht eine Vielzahl radioaktiver Spaltprodukte", erklärt der Strahlenkundler Gerald Kirchner. Die meisten der so gebildeten Radionuklide unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung grundlegend von Radioaktivität aus Kernkraftwerken. Mit Analysen könne festgestellt werden, ob und wo eine Atombombe gezündet wurde. Selbst bei unterirdischen oder verdeckten Tests würden radioaktive Edelgase entweichen, die bei einer späteren Luftmessung zweifelsfrei festgestellt werden könnten.

"Unsere Arbeit hat seit der weltweiten Angst vor dem internationalen Terrorismus an Bedeutung gewonnen", sagt der Regierungsbeauftragte Gröning. Nur eine lückenlose Überwachung könne den Beweis erbringen, dass ein in Verdacht geratener "Schurkenstaat" die Atombombe auch wirklich gezündet habe. "Das Überwachungssystem ist ein zentraler Baustein der weltweiten Abrüstungsarchitektur." Es wirke abschreckend, einem Rüstungswettlauf werde so vorgebeugt. "Es kann jetzt niemand mehr Atomwaffen testen, ohne unentdeckt zu bleiben", sagt Gröning. "Damit leisten wir einen Beitrag, unsere Welt ein bisschen sicherer zu machen."

Dass die Technik funktioniert, daran haben die Fachleute keinen Zweifel. "In den vergangenen Jahren hat die seit 1953 wissenschaftlich arbeitende Station mehrere Male bewiesen, dass sie auch geringste Spuren von Radioaktivität nachweisen kann, die aus unterschiedlichsten Quellen in ganz Europa stammen können." Als im Juni 1998 im südspanischen Algeciras eine medizinische Cäsiumquelle versehentlich in einem Stahlwerk in den Hochofen gelangte und dort verbrannt wurde, konnte dies auf dem Schwarzwald-Berg Schauinsland problemlos nachgewiesen werden.