Der gescheiterte EU-Gipfel wird nach Ansicht führender deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute keine negativen Auswirkungen auf die Konjunktur haben. "Es besteht kein Grund zur Panik, schließlich werden keine Zollschranken neu errichtet", sagte der Präsident des Institutes für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, am Montag. Das Debakel werde sich nicht unmittelbar und auch nicht in den kommenden Monaten auswirken. Der Binnenmarkt stehe und bleibe stabil. Es bestünde noch genügend Zeit, die Probleme zu lösen.

Auf den Geschäftsklimaindex, den das ifo-Institut in der kommenden Woche vorstellen wird, werde sich die Entwicklung kaum auswirken, sagte Instituts-Chefvolkswirt Gernot Nerb. Aber auch für die kommenden Monate sieht Nerb keinen deutlichen Konjunktur-Dämpfer durch die Krise in der EU. Auch der Leiter der Forschungsgruppe Internationale Konjunktur am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, Dr. Klaus-Jürgen Gern, sieht nach dem Scheitern des EU-Gipfels kurzfristig nur begrenzte Auswirkungen auf die Konjunktur. Allerdings war die EU-Krise auf den Finanzmärkten zu spüren. Zeitweise rutschte der Euro unter den Wert von 1,22 Dollar.

IWH-Präsident Blum teilt überdies Befürchtungen nicht, wonach es ohne rechtzeitige Finanzplanung zu Verzögerungen von verschiedenen EU-Programmen kommen könnte. Man müsse jetzt über Reformen in der EU nachdenken, sagte Blum. "Und dass betrifft nicht nur die Agrarpolitik." Nach dem Nein der Franzosen und Niederländer zur EU-Verfassung waren beim EU-Gipfel am vergangenen Freitag auch die Verhandlungen über das milliardenschwere EU-Finanzpaket von 2007 bis 2013 gescheitert.