Auch wenn die amerikanischen Gesprächspartner ihre Zweifel haben mögen : Juan Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, ist davon überzeugt, dass die Europäische Union handlungsfähig ist - trotz Verfassungs- und Finanzkrise , trotz der Ablehnung, die Tony Blair und seinen Plänen für die britische EU-Präsidentschaft im zweiten Halbjahr vom Kontinent entgegenschlägt.

"Nichts ist blockiert, wir können arbeiten", sagte Barroso in der Nacht zum Dienstag in Washington. Dort hatte er gemeinsam mit dem EU-Ratsvorsitzenden, dem luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker, Präsident George W. Bush getroffen. Bush hatte in dem Gespräch die Bedeutung eines starken Europas als Bündnispartner für die Vereinigten Staaten hervorgehoben.

Von den Schwierigkeiten in der Union zeigte sich Barroso nicht überrascht: "25, bald 27 Länder; 500 Millionen Menschen - es ist nur verständlich, dass es da Probleme gibt". Europa sei ein komplexes System, sagte er. Die gegenwärtigen Probleme seien nicht zu unterschätzten, "aber wir sind nicht paralysiert".

Wirtschaftliches Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt seien das wichtigste Ziel Europas, sagte Barroso. Ebenso bedeutend sei jedoch auch die Entwicklungspolitik: "Wir können nicht mit dem Gedanken leben, dass täglich 25.000 Menschen sterben, weil sie nichts zu essen und kein sauberes Wasser haben".

Entscheidendes  scheint aber bei dem Treffen mit Bush nicht zur Sprache gekommen zu sein. Zwar versicherten sich die Partner, sie teilten die selben Werte. "Unsere Partnerschaft basiert auf gemeinsamen Werten und Hoffnungen für die Zukunft", sagte Bush, und: "Wir wollen ein starkes Europa, damit wir zusammen wichtige Ziele erreichen können."

Doch außer einer Initiative zur Verbesserung der transatlantischen Wirtschaftsintegration brachte das Gespräch keine konkreten Ergebnisse. Immerhin: Die Harmonisierung von zur Zeit noch unterschiedlichen Normen, Produktstandards und Sicherheitsanforderungen soll vorangetrieben werden. Auf den jüngsten Handelsstreit um Luftfahrtsubventionen gingen Bush, Juncker und Barroso dagegen nicht direkt ein. "Bei so viel Handel ist klar, dass es Meinungsverschiedenheiten gibt", sagte Bush.