Die rote Linie für Deutschland war vor dem Irak- Krieg genauso klar wie danach: Deutsche Soldaten werden nicht in den Irak geschickt. Aber schon nach dem ersten Schuss des Krieges stand ebenso fest, dass Deutschland sich am Wiederaufbau im Irak beteiligen will. Um diesen langwierigen und schwierigen Prozess im Zweistromland geht es am Mittwoch beim Irak-Gipfel in Brüssel, der nicht als Geber-Konferenz, sondern als politischer Gipfel verstanden werden will. Dazu wird auch Außenminister Joschka Fischer (Grüne) erwartet.

2002 gehörte Deutschland mit Frankreich zu den erbitterten Gegnern des Irak-Krieges, was in der Folge die transatlantischen Beziehungen belastete. Die Spannungen wurden erst mit dem Besuch von Präsident George W. Bush Anfang dieses Jahres - knapp zwei Jahre nach dem offiziellen Kriegsende im Mai 2003 - für beendet erklärt. Schon früh beteiligte sich Deutschland an Maßnahmen für den Wiederaufbau. Schon 2003 sagte die Bundesregierung zu, 24 Millionen Euro für Lebensmittel und Flüchtlingshilfe zu geben.

Wesentlich teurer wird die Entschuldung des Iraks werden. Der Pariser Clubs verständigte sich im November 2004 darauf, dem Land bis 2008 achtzig Prozent der Auslandsschulden zu erlassen. Die deutschen Forderungen an den Irak belaufen sich auf rund 5,9 Milliarden Euro, wovon nun in drei Stufen - beginnend am 1. Januar 2005 - 4,7 Milliarden Euro erlassen werden.

In deutschen Regierungskreisen erwartet man von der Irak-Konferenz einen Impuls für den Wiederaufbau des Iraks, der täglich von blutigen Terroranschlägen erschüttert wird. "Politik- und Verfassungsprozess, Wiederaufbau und Sicherheit" heiße der notwendige Dreischritt für Iraks Zukunft, sagte ein Regierungssprecher. Der Zeitplan ist eng. Schon am 15. August soll ein Verfassungsentwurf vorliegen, über denn zwei Monate später die irakischen Bürger in einem Referendum abstimmen sollen.

Deutschland will sich nun darauf konzentrieren, irakische Polizisten und Soldaten auszubilden. Der Grundsatz, nur außerhalb irakischer Landesgrenzen aktiv zu werden, bleibt aber bestehen. 420 irakische Kriminalpolizisten und 30 Personenschützer wurden in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgebildet. Im Rahmen der im Februar 2005 von der Europäischen Union geplanten "Zivilen Rechtsstaatsmission" sollen weitere 700 Beamte unter anderem aus Polizei und Strafvollzug geschult werden.

Beim Treffen der Nato in Istanbul im Juni 2004 hatten die Mitgliedsstaaten auch vereinbart, irakisches Militärpersonal auszubilden. Einige Führungsoffiziere besuchten inzwischen Schulungen in Deutschland; viele werden auch in den Emiraten ausgebildet. Insgesamt belaufen sich die Kosten des deutschen Engagements seit Kriegsende inklusive des deutschen EU-Beitrags auf rund 200 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Vereinigten Staaten müssen monatlich bis zu vier Milliarden Dollar für die Truppenstationierung aufbringen.

Dass Deutschland Bundeswehr-Kontingente nach Bagdad oder Basra schickt, wird von Amerika nicht ernsthaft erwartet. Auch in der deutschen Parteienlandschaft besteht bei allen Unterschieden über die strategische Haltung Deutschlands vor dem Irak-Krieg heute Konsens über die militärische Enthaltsamkeit. "Es gibt ein klares Nein zu deutschen Soldaten im Irak", sagt beispielsweise der CDU-Außenpolitiker Friedbert Pflüger immer wieder. Daran dürfte sich also auch nach einem etwaigen Regierungswechsel im September nichts ändern.