In Iran weht ein anderer Wind. Zum ersten Mal in der iranischen Geschichte geht ein Präsidentschaftsrennen in die Stichwahl. Vorbei sind die Zeiten, wo die Wahlsieger mit über 90 Prozent der Stimmen die Exekutive übernehmen konnten. Auch der sonst erfolgsverwöhnte moderate Geistliche Akbar Hashemi Rafsandschani musste sich in der ersten Runde mit 22 Prozent begnügen, obwohl er am Wahltag noch mit einem klaren Sieg gerechnet hatte.

Aber dass er nun in der Stichwahl gegen einen politischen Nobody antreten muss, damit hatten weder der 70-jährige Kleriker noch die meisten politischen Beobachter gerechnet. Der Konkurrent heißt nicht wie erwartet Mostafa Moein vom Reformflügel, auch nicht Geheimfavorit Mohammad-Bagher Ghalibaf vom konservativen Lager, sondern Mahmud Ahmadi-Nedschad. Der 1956 geborene Bürgermeister von Teheran ist ein anerkannter Hardliner, der aus seinen erzkonservativen Ansichten nie einen Hehl gemacht hat.

Ein Sieg von Ahmadi-Nedschad in der Stichwahl könnte vor allem außenpolitisch ernsthafte Konsequenzen haben. Im Gegensatz zu Rafsandschani, hält der Kriegsveteran weder etwas von Verhandlungen mit Erzfeind USA, noch wäre er bereit, im Atomstreit noch lange mit der Europäischen Union zu beraten. Auch von einer seitens Rafsandschani versprochenen iranischen Kooperation in der Schlichtung des Nahostdilemmas würde er eher nichts wissen wollen. Im Innern plant der in Garmsar in Zentraliran geborene Ahmadi-Nedschad mit strengen islamischen Gesetzen die in Richtung Westen tendierende Gesellschaft in Schach zu halten.

Dagegen will der 70-jährige Rafsandschani, der schon zwischen 1989 und 1997 Präsident war, innen- und außenpolitisch für Entspannung sorgen. Mehr Rechte für Frauen, mehr Freiheiten und Arbeit für Jugendliche und mehr Diplomatie im Atomstreit. Auch mit Erzfeind USA soll geredet werden, bloß müsste auch Washington die Verhandlungen ernst nehmen, teilte Rafsandschani dem Schweizer Botschafter in Teheran mit. Die Schweiz vertritt die US-Interessen in Iran und dient als diplomatische Brücke zwischen der "Achse des Bösen" und dem "großen Satan".

Rafsandschani ist auch in der Stichwahl Favorit, wo er im Gegensatz zur ersten Runde nur eine einfache Mehrheit braucht. Aber auch Ahmad-Nedschad zeigte sich nach den überraschenden Wahlergebnissen siegessicher. Er rief seine Anhänger auf, den zweiten Teil des Triumphs bei der Stichwahl fortzusetzen: "Nur der halbe Weg ist zurückgelegt, die andere Hälfte dann am Freitag."