Nach einem tödlichen Feuerüberfall auf einen Siedler hat die israelische Armee in der Nacht zum Dienstag etwa fünfzig Aktivisten der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad festgenommen. Der israelische Rundfunk meldete, die Festnahmen seien an verschiedenen Orten im gesamten Westjordanland erfolgt. Die Gruppe hatte sich zu dem Anschlag am Montag bekannt. Es war die erste große Festnahmewelle, seit verschiedene palästinensiche Gruppen im Februar eine Waffenruhe vereinbart hatten.

Die neue Eskalation der Gewalt in der Region soll nach israelischen Medienberichten im Zentrum der Gespräche zwischen Ministerpräsident Ariel Scharon und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Dienstagnachmittag stehen. Die beiden treffen sich erstmals seit dem Nahost-Gipfel im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich vor mehr als vier Monaten. Der israelische Rundfunk meldete, Israel habe geringe Erwartungen an das Treffen. Und Hinweise darauf, wie Palästinenserpräsident Abbas den Terror tatsächlich bekämpfen will, gibt es bislang nicht.

Palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen begannen anlässlich der Zusammenkunft einen eintägigen Hungerstreik. Damit wollten sie verdeutlichen, dass die Frage der weiteren Häftlingsfreilassung ganz oben auf der Tagesordnung stehen müsse, hieß es. Abbas will Scharon eine Liste mit Gefangenen überreichen, deren Freilassung die Autonomiebehörde fordert.

Wiederkehrende Gewalt

Bislang kam es nach der Ankündigung eines Treffens der Regierungschefs beider Lager immer zu neuerlichen Gewalteskalationen. Vor dem Treffen Scharon-Abbas starben drei Palästinenser und zwei Israelis. Am Montag konnte zudem eine junge Palästinenserin am Kontrollpunkt Eres zwischen Israel und dem Gazastreifen festgenommen werden. Sie hatte vergeblich versucht, einen Sprengsatz zu zünden, der in einer eigens dafür angefertigen langen Unterhose versteckt gewesen war. Die Frau habe eine Reisegenehmigung für eine medizinische Behandlung in Israel gehabt, meldete eine israelische Armeesprecherin.