Ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe in Asien ist die Regierungskoalition in Sri Lanka im Streit über die Tsunami-Hilfe für die tamilische Minderheit auseinander gebrochen. Der nationalistisch-singhalesische Juniorpartner JVP kündigte an, ab sofort in die Opposition zu wechseln. Das von der Sri-Lankischen Freiheitspartei (SLFP) von Präsidentin Chandrika Kumaratunga dominierte Regierungsbündnis will die Arbeit mit einer Minderheit im Parlament fortsetzen. Die führende Oppositionspartei UNP kündigte an, die Regierung von außen zu stützen. Experten bezweifeln aber, dass sich die Minderheitenregierung lange halten kann.

Ursache der Regierungskrise ist der Plan Kumaratungas, den "Befreiungstigern von Tamil Eelam" (LTTE), die Teile des Nordens und Ostens der südasiatischen Insel kontrolliert, ein Mitspracherecht bei der Verteilung der Seebeben-Hilfe in Gebieten der tamilischen Minderheit einzuräumen. Damit, so meinte JVP-Chef Tilvyn Silva, würde eine "Terrororganisation ohne öffentliches Mandat" legitimiert. Kumaratunga konterte in einem offenen Brief an Silva, es sei ein Erfolg, dass die LTTE nach Jahren des bewaffneten Kampfes nun mit der Regierung zusammenarbeiten wolle und wertete es als Chance, eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche beitragen. Kumaratunga sagte, eine Regelung mit der LTTE können helfen, "Türen zum Frieden zu öffnen." Doch das Schreiben konnte die Koalition nicht retten.

Die JVP stellte 39 der bislang 120 Abgeordneten des Regierungsbündnisses der Vereinten Volksfreiheitsallianz (UPFA). Für eine Mehrheit benötigt die Regierung 113 Stimmen im Parlament. Zwischen Regierung und LTTE gilt seit drei Jahren ein brüchiger Waffenstillstand. Friedensverhandlungen sind auf Eis gelegt. In den vergangenen Wochen hatten gewalttätige Zwischenfälle wieder zugenommen.

Die LTTE fordert weitgehende Selbstverwaltung der Tamilen-Gebiete. Vor dem Waffenstillstand hatte der zwanzig Jahre andauernde Konflikt in Sri Lanka rund 69.000 Menschen das Leben gekostet. Der Analyst Paikiasothy Saravanamuttu vom Zentrum für Politik- Alternativen in Colombo wundert sich, warum die Präsidentin so lange gewartet hat, bis die Situation eskaliert ist - zumal die LTTE ihrem Entwurf schon längst zugestimmt hat. "Wenn Kumaratunga früher unterschrieben hätte, hätte die JVP zwar aufgeschrien - aber für wie lange?" Die Präsidentin hätte die Zeit nutzen können, in der die Stimmung im Volk durch den Tsunami noch von einem Gefühl des Zusammenrückens geprägt war.

Bei der Flutkatastrophe am 26. Dezember vergangenen Jahres starben fast 40.000 Menschen auf der Insel, die als Urlaubsparadies gilt. Die internationale Gebergemeinschaft hat Sri Lanka zwei Milliarden Dollar Hilfe zugesagt. Sie fordert aber, dass das Geld allen Flutopfern zugute kommt. Das sich seit Monaten hinziehende Tauziehen um die Tsunami-Hilfen geht vor allem zu Lasten der Betroffenen. Die meisten von der Flut Betroffenen sind Tamilen und Muslime, die Regierung wird aber von Singhalesen dominiert, die die Mehrheit im Land stellen.