Begabtenförderung Die Überflieger

Die Hertie-Stiftung und die Robert Bosch Stiftung fördern talentierte Einwandererkinder

»Start«

Seit die Pisa-Studie an den Tag brachte, dass Zuwandererkinder besonders schlechte Karten im Bildungssystem haben, dass sie in hoher Zahl die Schule ohne Abschluss verlassen und in viel zu niedriger Zahl in Richtung Universität marschieren, haben viele Stiftungen ihre Anstrengungen zur Sprachförderung und kulturellen Integration der ausländischen Kinder verstärkt. Nur knapp zehn Prozent der Kinder nicht-deutscher Eltern schaffen hierzulande den Übertritt zur höheren Bildung. Um das Reservoir von begabten Einwandererkindern zu heben, hat sich die Hertie-Stiftung das Start-Programm ausgedacht.

Das Stipendienprogramm für begabte und engagierte Zuwandererkinder wurde schon 2002 von der Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Land Hessen ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es 132 Start-Stipendiaten aus 32 Ländern, fast die Hälfte sind Kinder von so genannten Gastarbeitern, 39 Prozent sind Kinder von politischen und religiösen Flüchtlingen, 13 Prozent sind Spätaussiedler. Der Erfolg von Start lässt sich an den Bewerberzahlen ablesen, die stets zehnmal höher liegen, als die Zahl der vorhandenen Stipendien. In den nächsten 30 Monaten will die Hertie-Stiftung, so Michael Endres, der Vorsitzende der Stiftung, dem Programm eine »bundesweite Dimension« geben. Ausgenommen sind Bayern und Baden-Württemberg, wo die Robert Bosch Stiftung schon seit einigen Jahren mit einem ähnlichen Programm mehr als 300 Stipendiaten gefördert hat und weiterhin fördert.

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Was ist Start? Ein Förderprogramm, das sich ausschließlich an begabte Zuwandererkinder in allen Schultypen in den Klassen 8 bis 13 richtet ( www.start.ghst.de/ ). Die meisten Bewerber (69 Prozent) sind noch unter den Gymnasiasten zu finden, doch immerhin werden schon vier Hauptschüler gefördert. Die zukünftigen Stipendiaten sollen gute Leistungen vorweisen, sich sozial, gesellschaftlich, politisch engagieren und bedürftig sein. Start bietet den Kindern unter anderem ein monatliches Bildungsgeld von 100 Euro. Noch wichtiger ist die Betreuung der Stipendiaten und ihre Vernetzung untereinander. Die Schüler besuchen Bildungsseminare, erhalten Rhetorik- und Bewerbungstraining, Zugang zu Praktika oder Sommerakademien. Eine Alumni-Organisation wird aufgebaut. Das regionale Erfolgsmodell aus Hessen hat Interessenten in anderen Städten und Bundesländern gewonnen, sodass die Hertie-Stiftung jetzt bundesweit mit Start an den Start geht. Bremen, Hamburg, Berlin sind die Stadtstaaten, die vom Herbst an die ersten Stipendiaten betreuen. Das Programm hat Partnerschaften mit anderen Stiftungen und den Ländern selbst abgeschlossen. So finanziert der Bremer Senat einen Stipendiaten, der Hamburger Senat eine halbe Stelle für einen lokalen Koordinator, ebenso der Berliner Senat. Außerdem übernehmen ortsansässige Stiftungen wie etwa die Carls Stiftung in Bremen, die Dürr Stiftung in Hamburg oder die Stiftung der Deutschen Bank in Berlin weitere Stipendiaten. Christine Brinck

Interview mit Dmitry Yaskov, 17, der gerade in das Start-Programm der Hertie-Stiftung aufgenommen wurde »



»Talent im Land«

2003 wurde die Initiative »Talent im Land« gegründet. Jeweils 50 begabte Schüler aus Zuwandererfamilien werden in Bayern und Baden-Württemberg jedes Jahr in das Förderprogramm aufgenommen, dass die Robert Bosch Stiftung zusammen mit der Markelstiftung, der Landesstiftung Baden-Württemberg und der Stiftung Bildungspakt Bayern betreibt. Das Programm versteht Bildung als Weg zu einer gelungenen Integration und die Jugendlichen aus Zuwandererfamilien als eine Chance für unsere Gesellschaft. Schulische Leistungen, Zielstrebigkeit und finanzielle Bedürftigkeit sind die zentralen Aufnahmekriterien, Schüler der Klassen 8 bis 12 können sich entweder direkt bewerben oder von einer Lehrkraft vorgeschlagen werden. Eine Jury entscheidet dann über die Aufnahme. Die Stipendiaten erhalten eine monatliche Finanzspritze von durchschnittlich 200 Euro, persönliche Beratung und ein Angebot an verschiedenen Seminaren, zum Beispiel zur politischen Bildung. Sowohl die Robert Bosch Stiftung als auch die Markelstiftung vergeben schon seit langem Stipendien an begabte ausländische Schüler, mit der Initiative »Talent im Land« wollen beide Stiftungen ihre Programme bündeln und das Förderkonzept effektiver und umfassender gestalten ( www.bosch-stiftung.de ). Alena Schröder

Interview mit Khouzi Mohammad, 17 Jahre alt, die seit vergangenem Jahr Stipendiatin des Programms »Talent im Land« der Robert Bosch Stiftung ist »

 
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