iran Zwischen Gott und Geschäft
Vor allem die Frauen wollen diesmal den früheren Staatspräsidenten und Geschäftsmann Rafsandschani wählen, um einen Triumph des ultra-konservativen Ahmadinedschad zu verhindern
Knapp 47 Millionen Iraner haben an diesem Freitag die Wahl: Zurück zu den Wurzeln der fundamentalistischen Revolution gegen den Schah oder eine gemäßigte religiöse Linie im Gottesstaat. Darum geht es im Kern in der Stichwahl zwischen dem Geistlichen Akbar Hashemi Rafsandschani (70) und dem erzkonservativen Teheraner Bürgermeister Mahmud Ahmadinedschad (48). Obwohl die Macht des Präsidenten in der islamischen Republik beschränkt ist, sehen viele Iraner die Wahl als Volksentscheid über Rückfall oder Blick nach vorn.
Die Wähler hatten den Hardliner Ahmadinedschad vor einer Woche mit 19,1 Prozent der Stimmen völlig überraschend in die erste Stichwahl des Landes gegen den Favoriten Rafsandschani (21,2 Prozent) geschickt. Mit seinem Ruf etwa nach einer neuen islamischen Revolution, die »den Armen und Barfüßigen Wohlstand bringt«, hat er bei den weniger Begüterten in der Millionenmetropole Teheran und anderen großen Städten des Landes Gehör gefunden. Er selbst gibt sich als islamischer »Robin Hood« mit bescheidenem Lebenswandel und Nähe zum Volk. Der Mann mit einer Professur an einer technischen Universität Teherans will auf jeden Fall mit strengeren islamischen Gesetzen die in Richtung Westen tendierende Gesellschaft in Schach halten.
Seine Gegner malen bei seinem Sieg schon Zeiten wie in Afghanistan unter der Taliban-Herrschaft an die Wand - Frauen mit dem Schleier auch vor dem Gesicht und Männer mit wallenden Bärten und langärmeliger Bekleidung. Vor allem Frauen in Teheran haben deshalb in diesen Tagen in einer SMS-Kampagne dazu aufgerufen, für Rafsandschani auch dann zu stimmen, wenn man ihn eigentlich ablehnt, nur um Ahmadinedschad zu verhindern.
Solche Aufrufe richteten sich auch an jene Bürger, die die Wahl am 17. Juni boykottiert haben. »Wer jetzt nicht wählen geht, der legt den Grundstein dafür, dass die Fundamentalisten erfolgreich sein werden«, warnte der Chef der liberalen Freiheitsbewegung, Ibrahim Yazdi. Reformer und Konservative, deren Kandidaten in der ersten Runde ausschieden, gaben nun Empfehlungen zur Wahl des innen- und außenpolitisch erfahrenen Geistlichen Rafsandschani.
Angesichts der beiden Lager vor der Wahl erwarten Beobachter eine hohe Beteiligung, die dann dem 70-Jährigen weniger aus Sympathie sondern mehr aus Ablehnung seines Kontrahenten zu Gute kommen würde. Der Staatschef von 1989 bis 1997 versucht, die Stimmung für sich mit der Forderung nach »politischer Versöhnung« zu nutzen. Er verspricht eine »nationale Koalition« zum Kampf gegen den Extremismus in Iran. Den Frauen will er mehr Rechte, den Jugendlichen mehr Freiheiten und Arbeit verschaffen.
Auch in der Außenpolitik sind die Unterschiede beider Kandidaten deutlich. Weder will der Teheraner Bürgermeister wie Rafsandschani mit dem Erzfeind USA ins Gespräch kommen, noch ist er bereit, im Atomstreit noch lange mit der Europäischen Union zu verhandeln.
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- Quelle (c) Farshid Motahari, dpa, 24.06.2005
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