Literatur »Am Seil«
So lautet der Titel der Erzählung des neuen Ingeborg-Bachmann-Preisträgers Thomas Lang. Fünf Preise wurden vergeben - dreimal war eine Stichwahl nötig
Der in München lebende Schriftsteller
Thomas Lang
hat den Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis 2005 gewonnen. Der Autor und Familienvater überzeugte die Jury mit seinem Text
»Am Seil«
, der eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung schildert und das Ende zwischen Selbstmord und Sterbehilfe offen lässt. Lang, 1967 in Nümbrecht (Nordrhein-Westfalen) geboren, setzte sich in dem am Sonntag in Klagenfurt (Österreich) zu Ende gegangenen Wettbewerb gegen 16 Mitbewerber aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich durch. Kritiker würdigten das hohe literarische Niveau.
In drei Fällen war eine Stichwahl nötig, um die Preisträger für die insgesamt fünf Auszeichnungen zu ermitteln. Das spannende Finale spiegelte damit den Verlauf des Wettbewerbs: Von wenigen Ausrutschern abgesehen, bewegten sich die vorgestellten Texte auf sehr hohem handwerklich-literarischen Niveau. Manche Beobachter bewerteten die sprachliche Fertigkeit sogar als »fast zu perfekt«.
Julia Schoch
gewann den Preis der Jury (10.000 Euro) mit ihrem Text
"Der Ritt durch den Feind"
,
Anne Weber
den 3sat-Preis (7.500 Euro),
Natalie Balkow
den Ernst-Willner-Preis (7.000 Euro) und
Sasa Stanisic
den Kelag-Publikumspreis (5.000 Euro).
Auffällig war die starke Hinwendung zu realistisch-distanzierten Schilderungen privater Themen. Die Hinwendung zu politisch- gesellschaftlichen Fragen wurde ebenso vermisst wie das literarische Experiment. Auch Jury-Sprecherin Iris Radisch wertete den Tonfall der Autoren als sprachlich »erstaunlich homogen«.
Als Erklärung für die Konzentration der Autoren auf sachlich-nüchterne Wirklichkeitsbeschreibungen vermutet die Literaturkritikerin: »Vielleicht passt das Experiment nicht in unsere schwierige Welt.« Dennoch wünscht sie sich mehr Mut, die Ränder der Sprache auszudehnen und »Poesie in der Prosa«.
Bachmann-Preisträger Lang arbeitet neben dem Schreiben als freier Journalist für Computer-Zeitschriften und lektoriert Sachtexte. 1999 erhielt er ein Literaturstipendium der Stadt München, 2002 wurde ihm der Bayerische Staatsförderungspreis Literatur und der Marburger Literaturpreis zuerkannt. Zu seinen Veröffentlichungen gehören neben Texten in Literaturzeitschriften der Debütroman »Than« (2002) sowie »Sex-Monster« in dem von Margit Knapp herausgegebenen Sammelband »Neue deutsche Liebesgeschichten« (2005).
Bei dem Wettbewerb, der sich als »Spiegel der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur« versteht, lesen die Autoren bislang unveröffentlichte Texte, die eine Jury in spontanen Debatten analysiert und bewertet. Das »Wettlesen« wurde 1977 in Gedenken an die Dichterin Ingeborg Bachmann (1926-1973) ins Leben gerufen, die in Klagenfurt geboren wurde. Der Hauptpreis gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum.
Videos der Lesungen und Diskussionen kann man sich auf der
Website des ORF
ansehen.
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- Quelle (c) dpa
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