Romingers QualenSeite 5/5
Ist das noch Sport, wenn man leistungssteigernde Substanzen nimmt? »Mein Gott, ich bin vor acht Jahren zurückgetreten und könnte jedes Mittel in mich hineinspritzen. Und wäre morgen bei einem unwichtigen Rennen nach zehn Kilometern abgehängt. Wenn alle etwas nehmen, ist das Resultat am Ende das gleiche.«
Man spricht von über zwanzig Menschen, die wegen unsachgemäßer Epo-Anwendung sterben mussten. Gibt es denn für Sie keine Grenzen? »Risiken und Schäden müssen deklariert, die Fahrer aufgeklärt werden.« Auch wenn wir über Erwachsene reden – ist das moralisch vertretbar? »Zur heutigen Situation: Für eine Studie hat man an einer australischen High School gefragt: Wenn man euch garantieren würde, ein olympischer Champion in einer Disziplin eurer Wahl zu sein, aber dafür müsst ihr mit vierzig Jahren sterben – 70 Prozent sagten: Ja, würden wir machen. Das ist heute, das ist der Mensch und seine Einstellung.« Wie sehen Sie den Radsport heute? »Oh, ist doch immer noch ein schöner Sport.« Und Ihre Karriere? »War nicht nur schön. Aber ich schäme mich nicht für das, was ich gemacht habe. Ich bin sehr stolz darauf.« Was bleibt davon? »Eine Etappe. Über den Gavia, diese berühmt-berüchtigte Etappe beim Giro. Regen, oben Eis, Schnee, gefühlte minus 15 Grad, Chaos. Ach, und eine Vuelta-Etappe, 1994, da bin ich an einem Berg 60 Kilometer weit weggefahren, hinten die ganze Verfolgermannschaft um Zülle. An diesem Tag hab ich alles riskiert und gewonnen, vor 100000 Zuschauern. Was man damals für einen Boom ausgelöst hat. Irgendwie hat man die Leute doch berührt.«
Herr Rominger, Entschuldigung, haben Sie gedopt? »Hat man mich schon zwei-, dreimal gefragt. Journalisten, die ich sehr gut gekannt habe, andere hatten nicht den Mut. Hab ich gesagt: Ich bin dreizehn Jahre Profi gewesen und hab nach jedem Sieg und auch sonst meine Kontrollen abgeliefert.« Alle negativ? »Alle negativ.«
Tony Rominger teilt nach dem Gespräch mit: »›Meine‹ Hämatokritwerte kann ich nicht bestätigen und behaupte, dass diese Zahlen falsch sind.« Ferrari ist nicht zu einer Stellungnahme bereit. Auf seiner Web-Seite wirbt er mit sechs Siegen durch ihn betreuter Fahrer bei der Tour de France, neun beim Giro, fünf bei der Vuelta. Er bietet ambitionierten Amateuren Internet-Trainingskurse ab 80 Euro.
- Datum 30.06.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 30.06.2005 Nr.27
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