Der Korruptionsskandal im Autohaus von VW weitet sich aus. Zur Umsetzung ihrer zweifelhaften Geschäftspraktiken sollen VW-Mitarbeiter ein Geflecht aus Tarnfirmen in drei verschiedenen Kontinenten aufgebaut haben, berichtet die Süddeutsche Zeitung . Die Betriebräte waren offenbar käuflich: Den Informationen der SZ zufolge waren sie erstaunlich oft der Meinung des Vorstandes – und bekamen dafür teure Lustreisen beschert. Als Alternative zum Entspannungsurlaub in Brasilien wurden "Luxus-Nutten" zum Schäferstündchen eingeflogen.

Im Zuge der Affäre bahnt sich zudem im Aufsichtsrat des Autobauers ein schwerer Streit um den Personalvorstand Peter Hartz an. Der stellvertretende Vorsitzende des Kontrollgremiums, IG Metall-Chef Jürgen Peters, warf Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) vor, Hartz öffentlich beschädigen zu wollen. Es entstehe der Eindruck, dass es Wulff in der VW-Affäre nicht allein um Aufklärung gehe, sondern darum, das deutsche Mitbestimmungsmodell zu diskreditieren. Unterdessen schwor der neue VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard die Belegschaft auf einen strikten Sparkurs ein.

Wulff hatte angesichts von Spekulationen über eine mögliche Verwicklung von Hartz in die Affäre gesagt, es gebe auch für ihn keinen "Persilschein". Peters sagte dazu in Frankfurt am Main: "Wenn Herr Wulff über Erkenntnisse verfügt, die einen Angriff auf ein Vorstandsmitglied des Unternehmens rechtfertigen, dann ist es seine Pflicht, diese in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung auf den Tisch zu legen." Zuvor hatte sich bereits VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch mit den Worten an die Seite von Hartz gestellt, er sehe überhaupt keinen Anlass für dessen Rücktritt.

Hartz - Mitverfasser der umstrittenen Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Bundesregierung - gilt zusammen mit dem vergangene Woche zurückgetretenen Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert als Garant für die traditionell enge Zusammenarbeit zwischen Management und Gewerkschaft im VW-Konzern. Das von CDU und FDP regierte Land Niedersachsen ist größter Anteilseigner von VW, Wulff und Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) sitzen im Aufsichtsrat des Autobauers.

Die Schlüsselfigur der VW-Korruptionsaffäre, der entlassene Personalchef der tschechischen VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster, galt als enger Mitarbeiter von Hartz. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll die firmeninterne Revision bei VW im Zuge ihrer Ermittlungen auch zahlreiche Fälle von überhöhten Spesen- und Reisekostenabrechnungen festgestellt haben. Darunter sollen auch Quittungen sein, die Hartz abgezeichnet haben soll. Ein VW-Sprecher hatte dazu gesagt, VW beteilige sich nicht an Spekulationen.

Nach Darstellung der Justiz könnte ein "Firmengeflecht" um Schuster eine zentrale Rolle in dem VW-Skandal spielen. Es bestehe der Verdacht, dass Gelder, die VW beziehungsweise Skoda zugestanden hätten, auf Konten der Firmen und auf Privatkonten gelandet seien, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Klaus Ziehe.

Zudem sollen Schuster sowie der zurückgetretene VW- Betriebsratschef Klaus Volkert nach Medienberichten versucht haben, sich mit verdeckten Geschäften am VW-Konzern zu bereichern.