Wahlen Die neue Linkspartei
Die WASG will gemeinsam mit der PDS zur vorgezogenen Bundestagswahl antreten. Der Zusammenschluss soll vorbereitet werden. Nach einer Umfrage von TNS Emnid vom Wochenende würde das Linksbündnis elf Prozent erreichen
Die linke Wahlalternative WASG nimmt Kurs auf ein Bündnis mit der PDS:
Auf ihrem Bundesparteitag in Kassel stimmte die Partei am Sonntag mit
großer Mehrheit dafür, gemeinsam mit der PDS zu einer vorgezogenen
Bundestagswahl anzutreten. Außerdem soll der Zusammenschluss beider
Parteien zu einem Linksbündnis vorbereitet werden. Über beide
Beschlüsse soll die WASG-Basis in den kommenden zwei Wochen bei einer
Urabstimmung entscheiden.
Trotz Bedenken an der Basis schwor WASG Spitzenkandidat Oskar
Lafontaine die Delegierten auf das neue Linksbündnis ein. »Wir brauchen
eine starke linke Kraft im Bundestag«, sagte Lafontaine. »Wir sind die
einzige Partei, die beim Sozialabbau Widerstand leistet.« Alleine
liefen beide Parteien Gefahr, bei der Wahl knapp zu scheitern.
Gemeinsam liege das Bündnis bei Wählerumfrage indess auf Rang drei.
Die heftige Kritik an dem von ihm verwendeten Begriff des
»Fremdarbeiters« wies Lafontaine ebenso vehement zurück wie Versuche,
die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) in die Nähe
der rechtsextremen NPD zu rücken. »Uns mit denen in einen Topf zu
werfen, ist unfair und amoralisch.« Auch Vorstandsmitglied Klaus Ernst
sagte: »Das ist eine Dreistigkeit, uns in die Nähe solcher Leute zu
stellen.«
Zur Rechtfertigung des umstrittenen Begriffs »Fremdarbeiter« sagte
Lafontaine: »Ich habe Hemmungen gehabt, Menschen, die in Container
gepfercht werden und zu Hungerlöhnen arbeiten, als Gastarbeiter zu
bezeichnen.« Der Bundesregierung warf er eine Politik zu Lasten der
Armen und »soziale Schweinereien« vor. »Das ist ein Irrenhaus«, sagte
er über die Gesundheits-, Renten- und Arbeitsmarktpolitik der
Regierung.
Ziel sei es, in zwei Jahren mit der PDS eine neue Partei zu formen,
sagte WASG-Vorstand Ernst. Bis dahin werde die WASG sich nicht
auflösen, sondern stärken. »Wir wollen einen linken Block hinkriegen,
der den sozialen Sauereien in diesem Land entgegentritt.« In Kassel
wurde dazu ein Wahlmanifest vorgelegt, dessen Schwerpunkte der Kampf
gegen Arbeitslosigkeit, die Stärkung der öffentlichen Finanzen sowie
das Beibehalten eines solidarischen Sozialstaates sind.
Dagegen regte sich im neu gegründeten WASG-Landesverband Baden-
Württemberg Widerstand gegen ein Bündnis mit der PDS. Bei der
Gründungsversammlung in Stuttgart warnten am Samstag zahlreiche
Mitglieder vor dem Zusammengehen. Die WASG werde benutzt, um die PDS im
Westen hoffähig zu machen, hieß es dort.
Die Regierungsparteien SPD und Grüne sagten dem neuen Parteienbündnis
den Kampf an und sprachen ihm die Berechtigung ab, sich als Linkspartei
zu bezeichnen. Im SPD-Programmentwurf zur Neuwahl heißt es, PDS und
WASG verfolgten keine linke Politik, denn sie wollten statt Hilfe zur
Selbsthilfe »eine Kultur der Abhängigkeit«. Der Parlamentarische
Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, sprach von einer
»selbsternannten Linkspartei«, die nicht auf der Höhe der Zeit sei.
Nach einer Umfrage von TNS Emnid vom Wochenende legte das Linksbündnis
binnen einer Woche um zwei Punkte auf elf Prozent zu. Die CDU/CSU kam
auf 44 Prozent, zwei Punkte weniger als vor einer Woche. Die SPD
rutschte um einen Punkt auf 26 Prozent ab. Die Grünen steigerten sich
von acht auf neun Prozent, die FDP kam unverändert auf sieben Prozent.
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- Quelle (c) dpa
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