Documenta Der Kasseler WeltmomentSeite 4/4
So jedenfalls nannte die Französin Catherine David 1997 ihre documenta 10. Sie glich einem Seminar, bei dem Zeitfragen wie Urbanismus, Identität, Bürgerrechte, Sozialstaat, Rassismus und Globalisierung abgehandelt wurden – und das in 100 Vorträgen und mit vielen gedruckten Essays. In Davids verbaler documenta verkümmerte die bildende Kunst weitgehend zur Fußnote, zum Diskursbeleg, während es ihrem Nachfolger, dem aus Nigeria stammenden New Yorker Okwui Enwezor, 2002 besser gelang, autonome und politisch relevante Kunst in Kassel zu mischen.
Als zuverlässigste Konstante auf dem Weg vom Kunst- zum Diskursereignis, den in zwei Jahren auch die documenta 12 des deutschen Kurators Roger M. Buergel einschlagen dürfte, bewährt sich seit fünfzig Jahren die Treue des Publikums. Wer einmal in Kassel zur Kunst fand, wer einmal hier des Weltmomentes teilhaftig wurde, der folgt der documenta willig auch zu neuen Ufern – sie mögen noch so steil oder steinig sein.
Der Autor ist Kunstjournalist und lebt in Hamburg; 1964 begleitete er als Pressesprecher die documenta 3. Mehr zum Thema in seinem Buch »documenta« (Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2002, 96 S., 8,60 €)
- Datum 11.04.2007 - 04:30 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 07.07.2005 Nr.28
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