DIE ZEIT: Vor dem G8-Gipfel haben die Deutschen Kritik an Tony Blairs Afrika-Agenda geäußert. Sie wollten mehr über die Weltwirtschaft reden. Auf welcher Seite stehen Sie?

Peter Mandelsohn: Es gibt immer Gründe, die Diskussion um andere Aspekte zu erweitern. Aber dann kann man nicht so gut ins Detail gehen. Die Frage Afrikas berührt die Menschen. Die Armut und die Unterentwicklung sind auf der Agenda, und das ist gut so. Jetzt müssen wir sie da halten, denn Afrika braucht unsere Aufmerksamkeit für lange Zeit. Seine Krise ist strukturell, wir müssen die Hindernisse beseitigen, die jeden noch so entschlossenen Entwicklungsversuch blockieren.

ZEIT: Was ist für Sie als Handelskommissar das größte Problem?

Mandelsohn: Afrikas Anteil am Welthandel fällt und fällt. Wenn es ein Prozent des Welthandels hinzugewinnen könnte, wäre das siebenmal so viel wert wie die gesamte gegenwärtige Entwicklungshilfe. Afrika braucht aber dreimal mehr Straßen, um ein echter Handelskontinent zu werden. Sehen Sie, humanitäre Hilfe kann heute oder morgen Leben retten. Der Schuldenerlass wirkt, als würde man den Volkswirtschaften einen Mühlstein vom Hals nehmen. Aber der einzige nachhaltige Weg aus der Armut ist der Handel. Also muss Afrika geholfen werden, seine Fähigkeit zum Handel aufzubauen. Dann müssen wir uns darauf konzentrieren, wie die Doha-Welthandelsrunde ein Erfolg werden kann.

ZEIT: Warum, glauben Sie, steht Afrika höher auf der britischen Prioritätenliste als auf der kontinentaler Regierungen?

Mandelsohn: Das gilt nicht für Frankreich, mit dem Großbritannien sehr eng zusammengearbeitet hat, um Afrika auf die Agenda zu heben.

ZEIT: Hinter einer Forderung können sich alle Entwicklungsländer vereinen: Die Industriestaaten müssen Agrarsubventionen verringern und Handelsbarrieren abbauen. Richtig?