Volkswagen Wolfsburger SchleuderfahrtSeite 3/3
Aber auch bei den VW-Betriebsratskollegen hatte der gelernte Schmied Volkert nicht nur Freunde. Viele störte seine Nähe zum Management, seine allzu demonstrative Pragmatik und nicht zuletzt ein bisweilen arrogantes Auftreten. Für sich spricht die Reaktion seines designierten Nachfolgers und bisherigen Stellvertreters Bernd Osterloh auf den abrupten Rücktritt Volkerts, der schon am Tag nach seiner Amtsniederlegung aus der Wolfsburger Zentrale verschwunden war. Osterlohs Brief an alle Mitarbieter beginnt mit dem Satz: »Ich weiß, wie erschüttert und entsetzt ihr über die Berichterstattung in den Medien über den Rücktritt von Klaus Volkert und die in diesem Zusammenhang öffentlich erhobenen Vorwürfe seid. Ich bin es auch.«
Osterloh fordert vom Vorstand, »eine lückenlose und ausnahmslose Aufklärung zügig voranzutreiben«, wehrt sich aber vehement gegen pauschale Verdächtigungen, dass »der Betriebsrat gekauft« oder »geschmiert« worden sei. Sollten Volkert oder andere aber tatsächlich der für normale VW-Beschäftigte unbegreiflichen Eskapaden überführt werden, so kann keiner mit Pardon unter Kollegen rechnen. »Alle müssen … Unregelmäßigkeiten persönlich verantworten«, verspricht Osterloh den VW-Werkern.
Auch für Personalvorstand Hartz, der bislang noch die Rückendeckung des heutigen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat, wird es eng. Abrechnungen über Fernreisen der Betriebsräte liefen möglicherweise über seinen Schreibtisch. Und sollten darin die kolportierten Vorgänge enthalten sein, könnte ihn wohl selbst Gutgläubigkeit nicht schützen. Dazu brauchte es dann nicht einmal besonderer Anstrengungen von VW-Aufsichtsrat Christian Wulff, der schon sagte, dass auch der Personalvorstand »keinen Persilschein« für sich beanspruchen dürfte.
Sollten sich die Vorwürfe gegen Volkert bestätigen, stünde der CDU-Politiker trotzdem vor einem Dilemma. Im Grundsatz möchte die Union nach einem Wahlsieg im September gern die Position der Betriebsräte zulasten der Gewerkschaften stärken. Dabei mangele es jetzt schon bei langjährig agierenden Betriebsräten an Kontrolle, sagt Organisationspsychologe Neuberger. Müssten sie keine Rücksicht auf ihre Organisation nehmen, seien selbstherrliche und egozentrische Oberbetriebsräte noch anfälliger für Kumpanei.
Dass VW jetzt zum Brennpunkt politischer Machtkämpfe wird, hat dem ohnehin angeschlagenen Unternehmen gerade noch gefehlt. Vergangenes Wochenende, als die Affäre hochkochte, hatte der neue VW-Markenchef Wolfgang Bernhard seine 300 wichtigsten Manager nach Wolfsburg geladen, um die Kernprobleme der Marke zu besprechen. Der forsche Allgäuer redete deutlich mit seinen Leuten: »Es gibt keine Qualitätsstatistik, bei der wir uns auf vorderen Plätzen befinden, in einigen liegen wir sogar ganz hinten. So kann es nicht weitergehen.«
Fragt sich bloß, ob sich Manager und Beschäftigte derzeit so richtig auf dieses wichtige Thema konzentrieren können.
- Datum 07.07.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 07.07.2005 Nr.28
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