terrorismusDie Wut auf den Westen

Warum es falsch ist, die Londoner Bombenanschläge als bloße Rache für Englands Beteiligung am Irak-Krieg zu deuten. Ein Gespräch mit Ian Buruma über die Aussichten, den Kampf gegen den Terror zu gewinnen von Assheuer

DIE ZEIT: Viele Beobachter glauben, die Londoner Anschläge seien die Rache für Englands Teilnahme am Irak-Krieg. Reicht die Erklärung aus?

Ian Buruma: Angenommen, es war al-Qaida, dann scheint mir diese Erklärung zu kurz gegriffen. Richtig ist, dass der Irak-Krieg die Dinge verschlimmert und terroristische Leidenschaften neu entflammt hat. Aber der wahre Grund für die Attentate ist er nicht. Der Westen war schon lange im Visier von al-Qaida, seit dem Angriff auf die USS Cole.

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ZEIT: Welches Motiv steckt hinter den Anschlägen? Der alte Hass auf den Westen?

Buruma: Ja. Osama bin Laden hat seine Ziele klar formuliert. Er will den ungläubigen Westen angreifen. Für ihn sind muslimische Länder im Nahen Osten, vor allem Saudi-Arabien, durch den Westen korrumpiert. Der Heilige Krieg soll das ändern.

ZEIT: In Ihrem Buch, dass Sie mit Avishai Margalit verfasst haben, bezeichnen Sie diesen Hass als "Okzidentalismus", als ideologisches Zerrbild vom Westen. Will dieser hinter die Moderne zurück?

Buruma: Okzidentalismus ist nicht nur der Traum, achthundert Jahre zurück in die Vergangenheit zu gehen. Es ist eine gefährliche Reaktion auf die Moderne. Genauso wie Faschismus und Sozialismus.

ZEIT: Warum zeigt sich dieser Hass erst nach dem Ende des Kalten Krieges, nach dem Mauerfall?

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