linke »Man kann auch siegen«Seite 3/3

Das, meint Frank Firsching, sei kein Problem, ein besonderes Wohlwollen des DGB genieße seine Partei ohnehin nicht. Man sei sich mit Michael Sommer einig: Im Sinne des Prinzips der Einheitsgewerkschaft solle jede gesellschaftliche Kraft und jede Partei im DGB repräsentiert sein. Das klingt gut, ändert aber nichts an der unheimlichen Nähe. Viele an der Basis sind da empfindlich. Dass der DGB die »Wahlalternative« in diesem frühen Stadium wie eine »normale« Partei behandelt, ist ihnen schon zu viel.

So sorgt das Gewerkschaftliche auch innerparteilich für Konfliktstoff. Feste Strukturen, ein klares programmatisches Selbstverständnis, eine Idee von ihrer Zukunft im Parlament hat die WASG in Ansätzen vielleicht in Nordrhein-Westfalen und in Bayern. Woanders ist sie noch der Magnetberg für Theorieträumer, Politfreaks, politische Paranoiker, für den linken Sternenstaub, der die vergangenen Jahrzehnte überstand und nach allem strebt, das politische Gravitationskraft zu entfalten verspricht.

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Die praktischen Probleme der »Wahlalternative« haben weniger mit Ost-West-Mentalitätsdifferenzen zu tun als mit der ungelösten Frage, was die WASG überhaupt sein will. Soll sie sich linken und weniger linken Organisationen öffnen, um einem weiten Spektrum des antipolitischen Ressentiments Raum zu geben? Auch das könnte Wählerstimmen bringen. Im Bundesvorstand vertritt der Fürther IG-Metall-Bevollmächtigte Thomas Händel diese Linie. Das hieße dann aber auch, rechten Politikverdruss mit hereinzuwinken. Oder liegt die Zukunft in einer Idee, die der Münchner Fritz Schmalzbauer vertritt: eine programmatisch klar profilierte, straff organisierte Partei für die kleinen Leute und den Mittelstand, undogmatisch, offen für Establishment-kritische Persönlichkeiten, verschlossen für extremistische Infiltrationen, eine Art zivilgesellschaftliche Linke, die irgendwann auch einmal koalitionsfähig wird.

Doch davor kommen noch die Vereinigung mit der PDS und der Wahlkampf. Sicher, am vergangenen Wochenende hat sich der sächsische Landesverband der PDS in »Linkspartei« umbenannt, ein Signal an den Bundesparteitag, der mit Zweidrittelmehrheit zustimmen muss. Aber die Ost-Landesverbände sind ohnehin diszipliniert. Schwieriger wird es, mit den westdeutschen Landesverbänden zusammenzuarbeiten, denn die bewegen sich auf dem Niveau von Splittergruppen. Die Autorität der Ostberliner Kader endet an der Elbe. »Wir machen uns über die Qualität des westlichen PDS-Personals keine Illusionen«, meint Fritz Schmalzbauer, »aber unsere Direktkandidaten müssen auf deren Listen. Die stellen die allein auf. Und auch wenn das gut geht, sobald ein PDSler zu einer Kampfkandidatur gegen einen unserer Leute antritt, machen die das unter sich aus. Wir stehen daneben.«

 
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