Nahrung Bakterien und Schimmelpilze
Jeder fünfte Betrieb in Deutschland, der mit Lebensmitteln umgeht, verstößt gegen rechtliche Bestimmungen. Besonders viele Probleme gibt es mit verunreinigtem Eis und Dessert sowie mit falsch ausgezeichnetem und verdorbenem Fleisch
Lebensmittelkontrolleure haben jede fünfte Fleischprobe im
vergangenen Jahr wegen Mängeln bei Hygiene oder Kennzeichnung
beanstandet. Bei Eis und Desserts waren es sogar fast 21 Prozent der
Proben, die gegen die Vorgaben verstießen. Das geht aus dem
Jahresbericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit
hervor, der am Montag in Berlin vorgestellt
wurde. Knapp 7 Prozent der Eisproben waren verunreinigt.
Verbraucherschützer kritisierten, dass die Zahl der Verstöße seit
Jahren auf einem konstant hohen Niveau liegt. Sie forderten deshalb von
Bund und Ländern verbindliche Vorgaben.
Die Kontrolleure nahmen 2004 fast 606 000 Betriebe unter die Lupe und
machten rund 1,1 Millionen Kontrollbesuche in Imbissbuden,
Supermärkten, Restaurants und Großküchen. Knapp 15 Prozent der Proben
wurden beanstandet (2003: 15 Prozent). Mehr als 12 Prozent der
Fleischproben waren falsch gekennzeichnet, fast fünf Prozent waren
verdorben oder hatten zu viele Keime. Bei Knabberwaren und Nüssen
wurden rund 13 Prozent der Proben beanstandet. Häufigster Grund:
giftige Schimmelpilze. Bei Milchprodukten wiesen rund 12 Prozent der
Proben Mängel auf. Bei Obst und Gemüse gab es weniger Verstöße, meist
Verunreinigung durch Pflanzenschutzmittel.
»Wir haben zunehmend weniger große Lebensmittelskandale gehabt«, sagte
der Präsident des Bundesamtes, Christian Grugel. Die Verstöße seien
allerdings in etwa gleich geblieben. »Die Fälle, die wirklich
gefährlich sind, sind nicht mehr als einige hundert.« Die Betriebe
bauten ihre Kontrollen immer stärker aus, aber die Risiken durch den
weltweiten Handel würden immer größer. Der Bundesverband der
Verbraucherzentralen hält die Verstöße nicht für hinnehmbar. »Wir
brauchen eine verbindliche Zielvorgabe«, sagte Vorstand Edda Müller.
Für die Lebensmittelüberwachung sind die Bundesländer zuständig.
Betriebe und Proben werden so ausgewählt, dass der Fokus der Kontrolle
auf Lebensmitteln liegt, von denen erhöhte Risiken für den Verbraucher
ausgehen können. Die Zahl der Beanstandungen lässt daher nur
eingeschränkt Rückschlüsse auf die generelle Qualität der Lebensmittel
in Deutschland zu. Eine risikoorientierte Auswahl von
Betriebskontrollen und Proben wird auch von der EU gefordert und soll
ab 2006 nach weiter vereinheitlichten Grundsätzen erfolgen. Das
Bundesamt schickt die Daten für ein Schnellwarnsystem an die EU.
Den gesamten Bericht kann man hier nachlesen: www.bvl.bund.de/lebensmittel/bericht_luew_04.htm
- Datum
- Serie cvd
- Quelle (c) dpa/ZEIT.de, 19.7.2005
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