philosophie Denker für Hitler?Seite 2/2

Allerdings handelt es sich bei »Kröner« nicht, wie Faye durch die ständige Falschschreibung von Kroners Namen insinuiert, um den jüdischen Kollegen, sondern um eine im Kröner-Verlag unter dem Titel Der Staat erschienene Auswahl von Texten Hegels. Das belegen die Mitschriften durch zahlreiche Verweise und Zitate eindeutig. Zusammengestellt wurde die Sammlung erstmals 1924 von Paul Alfred Merbach, der sich 1934 durch die Mitherausgabe des Sammelbandes Deutscher Wille im Entscheidungsjahr 1933. Adolf Hitler zum Geburtstage im Verlag Deutscher Wille hervortat. Dass eine der Mitschriften aus der Feder Siegfried Bröses (1895 bis 1984) stammt, der bereits 1933 von den Nationalsozialisten als entschiedener Gegner entlassen wurde und nach dem Krieg sofort von den Alliierten in Baden als hochrangiger Beamter eingestellt wurde, wird nicht erwähnt. Handelt es sich bei dem Seminar also tatsächlich um eine Schulung der künftigen Nazi-Elite, wie Faye behauptet?

Faye verfährt durchgängig nach einem Schema, das der Heidegger-Spezialist Theodore Kisiel einmal als »guilt by association« bezeichnet hat. So verwandelt sich Heidegger in der Nachbarschaft der nationalsozialistischen Ideologen und Funktionäre in einen obsessiv völkischen, rassistischen und antisemitischen Denker, dessen Überzeugungen mit denen der Nationalsozialisten deckungsgleich werden. Höhepunkt der unsäglichen Gleichsetzung ist Fayes »Hypothese«, Heidegger habe 1932 für Hitler ein Memorandum geschrieben. Weil er dies nicht belegen kann, sondern nur eine sprachliche Ähnlichkeit und Ungewissheit über die Autorschaft des Textes als Indizien anführt, sollen eben jetzt, so ließ er die Wiener Presse am 17. Juni 2005 wissen, die Historiker seiner Spekulation nachgehen.

An Heideggers »Fehl«, wie Philippe Lacoue-Labarthe 1987 formulierte, gibt es nichts zu deuteln. Doch Bücher wie das von Faye tragen zum Verständnis dieses Fehlens nichts bei. Was weltweit bereits von jungen Forschern getan wird, muss fortgesetzt werden: die Rekonstruktion der historischen und ideengeschichtlichen Zusammenhänge, in denen Heideggers Werk steht. Erst dann wird man sich der nach wie vor nicht einmal annähernd beantworteten Frage nach dem Verhältnis von Nationalsozialismus und Philosophie stellen können.

 
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