Werbung Die ewige WerbepauseSeite 6/6
Die Filiale von Starbucks in Santa Monica, der gediegenen Strandpromenade im Süden von Los Angeles, ist vor allem für Musikfans da. Natürlich gibt es eine Theke, freundliche Mitarbeiter und Kaffee. Doch CDs nehmen den größten Teil der Ladenfläche ein. Dazwischen hängt eine großzügige Zahl Kopfhörer, mit denen man sich jede CD komplett anhören kann. Der eigentliche Hit ist die »Hear Music Bar« in der Mitte, eine Sammlung heiß umkämpfter Computerbildschirme, an denen man nach Gutdünken seine eigenen CDs zusammenstellen kann – Lied für Lied, aus der ganzen Palette des Musikladens. »Hier ist es immer so voll«, lacht Karey, die rothaarige Musik- und Kaffeekellnerin, und drückt ein paar Knöpfe. Die ersten fünf Lieder haben acht Dollar gekostet, jedes weitere einen Dollar. »Früher war das hier mal ein richtig cooler Musikladen«, sagt sie. »Mit Starbucks ist die Sache wohl etwas konzernmäßiger geworden.«
Die Kaffeekette Starbucks – ein Riese mit weltweit 8000 Niederlassungen – ist ins Musikgeschäft eingestiegen und stülpt es um. »Starbucks ist eine Stimme geworden, der man in Fragen der Musik vertraut«, sagte Starbucks-Chef Howard Schultz vor einem Jahr – und ernannte den ehemaligen Manager einer Kinokette zum Chef seiner neuen Entertainment-Sparte. Seither gibt es den »Hear Music«-Laden in Santa Monica – und demnächst auch anderswo. Seit Oktober unterhält Starbucks auch noch einen eigenen Radiokanal via Satellit. Mit TMobile hat man einen Dienst zum Herunterladen von Musik entwickelt. Und »Hear Music Debut«-CDs stellen regelmäßig neue Künstler und Entdeckungen vor.
Auch das ist ein Trend: Die Popsängerin Gwen Stefani hat ihr jüngstes Album mit dem Computerhersteller Hewlett-Packard vermarktet. Eine Band namens Caesars schaffte einen kleinen Durchbruch als Apple Computer deren Musik in Werbespots einsetzte. Der gleiche Weg, auf dem auch die etablierte Rockband U2 ihr Lied Vertigo bekannt machte. Doch wehe, ein Musiker verstößt gegen die Werte des bürgerlichen Amerika: Für das Frühjahr hatte Bruce Springsteen einen Vertrag mit Starbucks geschlossen. Er wollte sein neues Album Devils and Dust an die Caffè-Latte-Fans vermarkten. Doch Starbucks stoppte den Vertrieb, weil Springsteen allzu explizit über seine Begegnung mit einer Prostituierten sang. Es wird klar: Die Kaffeehauskette fördert keine Musik, die ihrer Marke schaden könnte – und nimmt so Einfluss auf die Kultur.
Genügend Stoff für Albträume bietet Branded Entertainment den Kulturpessimisten also allemal, und die Bilder dafür hat der Science-Fiction-Film Demolition Man schon im Jahr 1993 geliefert. Sylvester Stallone spielte darin einen Polizisten aus dem 20. Jahrhundert, der eingefroren und im Jahr 2032 wieder aufgetaut wurde. Für die Verbrecherjagd. Als er mit seiner neuen Partnerin (Sandra Bullock) im Streifenwagen-Ufo sitzt, sucht diese einen Oldiesender im Radio, der so genannte Mini-Songs sendet. »Früher hat man sie Werbung genannt«, sagt sie und singt dann selig: »Alle Kinder lieben Hot Dogs, egal ob groß, ob klein, sie stimmen fröhlich ein. Wir essen Hot Dogs, heiße Hot Dogs… Guten Appetit!« Nur Kulturmensch Stallone verzieht in dieser Welt angewidert das Gesicht und sagt: »Tut mir einen Gefallen, und friert mich wieder ein.«
- Datum 21.07.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 21.07.2005 Nr.30
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