architektur Auf Mut gebautSeite 2/2

Wo also bleibt die Wende? Sicherlich, so etwas braucht Mut: den Mut der Bundestagsabgeordneten und Bundeskulturpolitiker, nicht länger auf bessere Zeiten zu hoffen, sondern sich einzugestehen, dass der Schlossfassadenwunsch ehrenwert ist, dass aber in absehbarer Zeit kein Geld für den Bau des Humboldt-Forums hinter der Fassade vorhanden sein wird. Auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz braucht Mut, Mut zu einer halben Lösung. Sie sollte dem Bundestag das Angebot machen: Wir übernehmen den Rohbau des Palasts, fangen darin mit der Rekonstruktion des Schlüter-Hofes an und ziehen schnell mit den Museen um, raus aus Dahlem. Mutig müssen auch Wilhelm von Boddien und seine Kampfgenossen sein, die Schlossrekonstruktion als Projekt nicht nur ihrer, sondern vieler Generationen zu sehen und deswegen nicht mit den großen Fassaden, sondern mit dem überschaubaren Schlüter-Hof zu beginnen. Und nicht zuletzt ist der Mut des Berliner Senats gefragt, das Thema Palast nicht per Abriss vor den nächsten Wahlen vom Tisch zu bringen.

Aber kann das heutige Deutschland noch so rational handeln wie einst die preußischen Könige? Die haben niemals einen Bauteil abgerissen, den man noch verwenden kann, und sei er noch so hässlich gewesen. Wenn die Könige so gehandelt hätten wie heute die Schlossfreunde – es hätte nie ein Schloss gegeben.

 
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