Sozialismus aus Sicht der GrubenkanteSeite 2/2

Im Gegensatz zu Stasi- und Parteiakten zeigten die Oppositionsschriften, wie Leute die DDR auch kritisch gesehen haben. In den Westen geschmuggelt, waren sie wichtige Quellen für Journalisten. Sie vermittelten viele Fakten, die in der Öffentlichkeit nicht auftauchten, erinnert sich Katharina Lenski vom Thüringer Archiv für Zeitgeschichte, die für das Anarcho-Blatt Kopfsprung schrieb. Sie schufen eine andere Realität neben der öffentlichen Propaganda.

Verglichen mit osteuropäischen Ländern wie Polen, wo in den achtziger Jahren allein rund 2500 verschiedene Heftreihen entstanden, fiel das ostdeutsche Blättererbe mit rund 700 Ausgaben eher gering aus. Auch, weil Material knapp war: Wo es ging, haben wir Papier in Schreibwarenläden aufgekauft, erinnert sich Thomas Pilz, der 1989 im ostsächsischen Zittau die Lausitzbotin herausgab. Druckchemikalien schleusten auch Diplomaten aus dem Westen ein.

Vorsicht war oberstes Gebot: Papier und Kopiergeräte transportierten die Oppositionellen oft nur im Schutz der Nacht.

Zudem sabotierten Stasi-Spitzel, wo es ging: Die Nullnummer des Friedrichsfelder Feuermelder stammte komplett aus Stasi-Federn, was die unterwanderte Redaktion zu spät bemerkte. Den Keller der Berliner Zionskirchgemeinde stürmte im November 1987 ein 20-Mann-Kommando der Stasi, weil es die Oppositionellen beim illegalen Drucken erwischen wollte. Doch ohne Erfolg: Schon die nächste Ausgabe der Umweltblätter berichtete auf fünf Seiten über die Schlacht um Zion.

 
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