DIE ZEIT: Was bedeutet die Zerstörung Falludschas für den Kampf gegen den Terror?

Paul Wilkinson: Falludscha macht deutlich, dass man Stabilität und Sicherheit im Irak auf keinen Fall mit rein militärischen Methoden herstellen kann. Die Rebellen sind in der Lage, schärfster Unterdrückung standzuhalten. Und der Terrorismus, der gar nicht unbedingt Teil des Widerstandes des alten Baath-Regimes ist, sondern ganz andere Ziele verfolgt, floriert in der immer angespannteren und zunehmend gewaltorientierten Lage. Ich bin grundsätzlich der Meinung, man hätte auf Verhandlungen und Diplomatie setzen sollen, solange damit vernünftige Ergebnisse zu erzielen waren. Gewaltanwendung darf immer nur ein allerletztes Mittel sein. Die Gewaltausübung in Falludscha hätte verhindert oder zumindest gemildert werden können, hätte man auf politische Mittel gesetzt. Falludscha wurde völlig falsch gehandhabt.

ZEIT: Sie unterscheiden zwischen Rebellen und Terroristen?

Wilkinson: Die Rebellen sind in meinen Augen Nationalisten, die einen unabhängigen Irak frei von fremder Besatzung schaffen wollen. Es war und ist vermutlich immer noch möglich, viele von ihnen davon zu überzeugen, dass ihre Interessen zufriedenstellend unter der neuen Regierung wahrgenommen werden können.

ZEIT: Und die Terroristen?

Wilkinson:Al-Qaida ist nicht zu bekehren. Keine Verhandlung, keine Diskussion würde zu irgendetwas führen. Al-Qaida zielt auf die völlige Zerstörung der Demokratie ab. Im Irak versucht die Organisation, Kontrolle über große Teile des Landes zu erringen. Gegen diese Leute kann man nur mit Gewalt vorgehen.