Hypochondrie Ist da was?Seite 4/4
Ignoriert und falsch behandelt, kommen hypochondrische Störungen – ebenso wie Gesundheitsängste und somatoforme Beschwerden – das Gesundheitssystem teuer zu stehen. Nicht selten führt ein langer Leidensweg am Ende in die Frühberentung. Bei »einem Drittel bis der Hälfte aller Fälle von Frühberentung«, sagt der Psychosomatiker Winfried Rief, spielten psychische Faktoren »eine wesentliche Rolle«. Doch auch der vorzeitige Ruhestand erlöst die Betroffenen nicht. Nun sitzen sie zu Hause, sind unglücklicher als zuvor und frequentieren die Ärzte noch häufiger.
Am Ende leiden darunter nicht nur die Patienten und ihre Angehörigen – sondern auch die Mediziner selbst. Der Hausarzt Wolfgang Kreischer, der auch ehrenamtlich für die Rentenkasse für Ärzte tätig ist, kann davon ein Lied singen. »Somatoforme und hypochondrische Störungen haben bei den Ärzten signifikant zugenommen«, sagt Kreischer, »wir haben im Berliner Ärzteversorgungswerk einen steilen Anstieg an psychosomatischen Erkrankungen, die zur Berufsunfähigkeit führen.«
Wie krank muss ein Gesundheitssystem erst sein, in dem schon die Therapeuten zu Hypochondern werden?
- Datum 28.07.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 28.07.2005 Nr.31
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