E-mail aus Berlin (1) Was ist bloß mit Schröder los?
Corinna Emundts kommentiert täglich den Wahlkampf der Parteien
Corinna Emundts
Was ist bloß mit Schröder los? Gestern Abend bei Sabine Christiansen (ARD) wirkte der Kanzler nur noch wie eine müde Kopie seiner selbst. Er formte mitunter geradezu peinliche Sätze. Und machte nicht einmal mehr den Ansatz eines Versuches, sich in gewohnter Kampfeslust zu verteidigen. Er sprach vom Wahlkampf 2002, und dass es damals zwei Monate vor der Wahl auch sehr, sehr knapp war für die SPD. Alle tippten im Sommer 2002 auf Kanzler Stoiber. Schröders Sub-Text war einfach zu verstehen: „Hallo Leute, ich hab’s schon mal in scheinbar aussichtsloser Situation geschafft, die Sache in letzter Minute zu drehen, ich kann’s auch noch mal schaffen.“ Wir haben verstanden, Herr Schröder. Aber Sie vergessen eines: Sie sind erstens nicht mehr der Kanzler des Jahres 2002, sondern der des Jahres 2005. So müde haben Sie 2002 nie gewirkt. Zweitens: Dass noch einmal eine rettende Flut kommt, ist statistisch unwahrscheinlich. Drittens: Dass Bush mit einem weiteren Irak-Krieg droht, auch. Und: Man sollte die Fernsehzuschauer nicht unterschätzen. Das Volk ist klug und durchschaut solche Shows.
In diesem Sinne spricht es nicht gerade für Angela Merkel, dass sie sich nur einmal ins geplante TV-Duell mit Schröder traut, statt zweimal – wie von den Sendern gewünscht (siehe Tagesspiegel ). Gute Figur machen also beide nicht, derzeit. Vielleicht hätten sie besser Urlaub in Italien gebucht, statt Neuwahlen zu fordern. Vielleicht wäre es besser gewesen, Schröder wäre nach der Sommerpause sauber zurückgetreten und hätte entweder Merkel die Kanzlerschaft angeboten und eine Große Koalition versucht oder er hätte den zugegebenermaßen nicht weniger müden, aber rechtschaffen ackernden Müntefering für das letzte Jahr ans Ruder gelassen. Aber jetzt? Diese Bundesregierung ist so amtsmüde geworden, dass sie nichts mehr hält. Dass man allein vom Zuschauen solcher Kanzler-Interviews schon selbst ganz müde wird.
Rot und Grün haben sich zu Wahlkampfzwecken verbal bereits getrennt. Aber sie verbindet auch nicht mehr viel, inhaltlich und strategisch. Die Grünen waren nicht für die Neuwahl-Idee. Man wünscht sich fast das häufig (und zu Recht) kritisierte day-to-day-management von Schröder zurück. Da war wenigstens etwas los in der Politik. Und es gab etwas zu kritisieren. Jetzt gibt es nicht einmal mehr Politik, die man sachlich diskutieren könnte. Es gibt nur noch Wahlkampf. Selbst Joschka Fischer plant bis September keine außenpolitische Reise mehr (bis auf die obligatorischen Ministerratstermine in Brüssel). Er will nur noch durchs Land touren. Zwei Monate Ruhepause für die deutsche Außenpolitik? Kann sich das die exportstarke Republik in der Mitte Europas eigentlich leisten?
Nicht zu vergessen Schröders peinliche Sätze. Aus dem Notizbuch vom Samstag, den 30. Juli (Schröder über die Union): „Dass ausgerechnet diejenigen, die gestern gepennt haben, die Neigung haben, den Aufbruch von morgen organisieren wollen...“ Gepennt. Das ist keine Bundeskanzlersprache mehr. Das ist nur noch eine Kampagne nach innen – in die Partei hinein. Würde er Kanzler bleiben und sich an das Wahlvolk wenden wollen, müsste er weiterhin die Sprachebene des Bundeskanzlers beibehalten.
Zweiter peinlicher Satz (bei Christiansen, auf die Frage, ob er glaubt, noch eine Chance zu haben): „Naja, dreißig bis fünfzig Prozent der Menschen sind noch unentschieden. Um die geht es letztlich.“ Schröder hat nicht einmal mehr Respekt vor den Wählern, die sich bereits für oder gegen ihn entschieden haben. Braucht der Medienkanzler doch noch ein paar Stunden TV-Training extra?
Wenn das Niveau des Wahlkampfes in diesen Tiefebenen bleiben sollte, werden politische Kommentatoren bald arbeitslos sein. Oder nach Sylt flüchten, um sich abzulenken von der Berliner Republik des deutschen politischen Sommers des Jahres 2005 (wie damals zu Bonner Zeiten, als sich im Sommer das angenehmere politische Leben auf Sylt abspielte. Auf Sylt, dem Zweitwohnsitz vieler Mächtiger der Republik).
- Datum 01.08.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) ZEIT online, 01.08.05
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schade, dass Sie nicht auch etwas positives an Schröder's Interview finden können, wenn Sie Angela schon soooh toll finden. Es ist ja okay, dass Sie sich mit Angela freuen. Leider fällt ihnen keines von Merkel's Statements ein wie zu Schröder, sondern nur ihr Lächeln und ihre Kleiderwahl, um sie zu bereden (Doch nicht etwa, weil Angela eine Frau ist!). Ein Urlaub in Italien und Sie müssten sich hier mit der Wahlkampf-"Kommentierung" nicht zu langweilen. "Die Zeit" bräuchte wachere Kommentator/innen, die nicht z.B. so eine rhetorische (?) Frage stellen wie: "Gäbe es mit Fischer im Ausland nicht mehr Exportwachstum für Deutschland?" Ich vermute mal, Sie mussten vielleicht das Trauma von 2002 aufarbeiten: Mit Stoiber als Kanzler einschlafen und mit Schröder aufwachen. Bei der nächsten E-Mail aus Berlin werden Sie fairer kommentieren und Frau Merkel z.B. für die billige Ausrede kritisieren, dass sie keine "Zeit" für ein zweites Duell hat. Mal sehen, wer dann wie "eine müde Kopie seiner selbst" wirkt.
MEine Frau und ich haben am vergangenen Sonntag nur 3-5 min bei Christiansen hinein geschaut - sind aber unabhängig voneinander ganz anderer Meinung: Wir fanden Gerd soverän, er lächelte viel und sah viel besser aus als in den letzten Monaten.
Und: Auch wenn ich nicht in die Sendung geschaut hätte, kommen die Beispiele von Frau Emundts doch von sehr weit her. Der Artikel baut auf einen wackligen Fundament und man wird den Honig-Geschmack auf der Zunge nicht los!
Der Auftakt der E-Mail aus Berlin ist nett zu lesen. Freue mich auf mehr!
Ich kann mich dem ersten Leserkommentar von Spiritus09 nur anschließen. Wenn Frau Emundts tatsächlich die gleichen Maßstäbe an Frau Merkel anlegt,wie an Gerhard Schröder, dann wird sie vermutlich unter den redaktionsinternen Linksradikalen-Erlaß der "Zeit" fallen.
Denn das grottenschlechte Niveau der ost-bajuwarischen Tandems Merkel / Stoiber gibt noch mehr Anlaß negativ zu kommentieren.
Ich habe den Bundeskanzler bei Christiansen souverän erlebt, was man von Sabine C. nicht sagen kann.
Das durch den Bundeskanzler verwandte wahre Wort "verpennt" in Richtung der Kohlministerin Merkel, habe ich als rhetorischen Griff in die Umgangssprache erlebt und keinesfalls wie von Frau Emundts behauptet als Rede an die eigene Partei. Frau Emundts interpretiert gar den Hinweis von Schröder auf die Hohe Anzahl der unentschlossen Wähler als fehlenden Respekt vor dem selben.
Das war wirklich von sehr weit hergeholt, Frau Emundts!
Was ist bloß mit Schröder los ? frägt Frau Edmundts.
Man frägt wohl besser, was ist mit Frau Emundts los. Das Niveau ihres Kommentars ist, man kann es nicht anders sagen, erbärmlich.
Hat sie die Christiansen-Sendung überhaupt gesehen ? Ich habe mir die Aufzeichnung noch einmal angesehen und habe das Gefühl, hier berichtet jemand über sein eigenes Vorurteil. Wenn sich Frau E. gerne einmal über journalistische Qualität unterrichten möchte, empfehle
ich ihr den Bericht von Herrn Jakobs in der SZ vom Dienstag mit dem Titel "Die Wir-Botschaft". Was dagegen von Frau E. gebotenwird, ist billiges Bildzeitungsniveau und politische Hetze. Als langjähriger Zeit-Abonnent möchte ich sagen, dass ein derartiges Niveau Ihrer Zeitung unwürdig ist und auf derartige Kommentare zum Wahlkampf verzichtet werden sollte.
Verallgemeinernd möchte ich noch fragen: Was ist mit dem Niveau vieler Journalisten los ?
Sind sie nur noch zu parteipolitisch eingefärbter Berichterstattung fähig, müssen sie sich rechtzeitig auf der Seite des durch Meinungsumfragen vorausgesagten vermeintlichen Siegers befinden?
Ich empfehle jedenfalls Frau Edmundts eine journalistische
Grundausbildung und bis sie diese absolviert hat, sollte die von mir hoch geschätzte Wochenzeitung Die Zeit sie bestenfalls als Praktikantin beschäftigen.
Mit freundlichem Gruß
Ihr Abonnement-Leser
Rudolf Steger
Enzianstraße 26
82515 Wolfratshausen
man muss nicht Angela Merkel toll finden, um sich zu fragen, in welchem Wahn lebt den Herr Schröder gerade? Wahl gewonnen? Wo denn, wann denn? Eindeutiger Führungsanspruch? Wohl auch nur nach müssigen und undemokratischem Frisieren der Wahlergebnisse. Nur er kann das Land regieren? Wo steht das? Er ist besser als Frau Merkel? Wer weiß das? Gegen soziale Kälte? Die haben wir schon. Es wäre gut, wenn Schröder, neben seiner Frau und sich auch die Demokratie lieben würde.
Viva Joschka!
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