Sudan Noch hält der Frieden

John Garang, Vizepräsident des Sudans und Chef der Rebellen im Süden, ist bei einem Hubschrauberabsturz getötet worden. Noch hält das Friedensabkommen, das ihn zum zweiten Mann im Staat machte

Nach dem Tod des stellvertretenden Präsidenten und früheren Rebellenchefs John Garang hat die sudanesische Regierung betont, sie wolle den Friedensprozess im Land fortsetzen. "Der Tod von Dr. John Garang bedeutet einen großen Verlust. Der Friedensprozess wird fortgesetzt werden", sagte ein Regierungssprecher am Montag. Nachfolger Garangs soll offenbar der langjährige Stabschef der südsudanesischen Rebellenarmee, Salva Kiir, werden. "Salva Kiir wird sowohl Präsident des Südens als auch Vizepräsident des gesamten Sudan", sagte ein Sprecher der Rebellenbewegung SPLM am Montag in Nairobi. Eine Bestätigung aus Khartum war dafür zunächst nicht zu bekommen.

Garang war beim Absturz seines Hubschraubers ums Leben gekommen. Erst vor drei Wochen war er im Rahmen des Friedensabkommens zwischen der muslimischen Regierung in Khartum und den christlich-animistischen Rebellen im Süden als Vizepräsident des Landes vereidigt worden. Garang hatte die Rebellenbewegung SPLA/M (Sudanesische Volksbefreiungsarmee) geführt.

Der Unfall soll sich schon am Samstag ereignet haben. Offenbar geriet der Hubschrauber in schlechtes Wetter und stürzte in der Nähe einer Bergkette im Südsudan ab. Garang war mit 14 Begleitern auf dem Weg von Uganda nach New Site, wo er eine Residenz besitzt. Die Fluglotsen in der Hauptstadt Khartum hatten den Kontakt zu dem Helikopter verloren. Mehrere tausend SPLA-Soldaten sollen nach Garang gesucht haben. Ob jemand den Absturz überlebte, war zunächst unklar.

Garang war auch Präsident des weitgehend autonomen Südsudans. Mit dieser Regelung sollte der Bürgerkrieg beendet werden, der den Sudan schon seit mehreren Jahrzehnten verheerte. Gemäß des Friedensabkommens fallen dem ölreichen Süden die Hälfte der Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf zu. Er darf eine eigene Armee unterhalten und soll eine eigene Regierung haben. Nach sechs Jahren soll die Bevölkerung in einer Volksabstimmung darüber entscheiden, ob sie ganz von Khartum unabhängig werden möchte.

Garang hatte die SPLA zwei Jahrzehnte lang geführt, zwei Jahre lang saß er mit der sudanesischen Regierung am Verhandlungstisch. Bevor er gegen die Regierungstruppen kämpfte, hatte er in den USA einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften erworben und seine taktischen Fähigkeiten an einer amerikanischen Militärakademie geschult. Anschließend wurde er Offizier der sudanesischen Armee und sollte einen beginnenden Aufstand im Südsudan niederschlagen. Statt dessen desertierte er und setzte sich an die Spitze der Rebellenbewegung.

Garang gehörte zum Stamm der Dinka, neben den Nuer die wichtigste Volksgruppe im Süden. Er stammte aus einer christlichen Familie aus dem winzigen Dorf Mabior, in dem die Menschen von Rinderzucht und Ackerbau leben. Seine Eltern starben, als er noch ein Kind war. Verwandte schickten ihn zur Schule, zunächst nach Rumbek, heute die provisorische Hauptstadt des Südens, später nach Tansania.

Seine Rebellenbewegung wurde von christlich-fundamentalistischen Gruppen in Amerika finanziell unterstützt. Viele sahen den Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd zunächst als einen Kampf der christlichen Rebellen gegen die Islamisierungsversuche der Regierung. In den eigenen Reihen war Garang dafür bekannt, dass er Rivalen schnell ausschaltete. Er überlebte selbst zahlreiche Anschlagsversuche.

Seine Rebellenbewegung konnte er so lange zusammenhalten, wie sie in der sudanesischen Regierung einen gemeinsamen Feind hatte. Seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens im Januar 2005 waren jedoch alte Grabenkämpfe wieder aufgebrochen.

 
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