Es ist ein geflügeltes Wort: "Houston, wir haben ein Problem." Tom Hanks, Hauptdarsteller des dokumentarischen Thrillers Apollo 13, kündigte damit die nahende Katastrophe an. Jetzt gibt es wieder ein Problem, und die Welt bangt mit den Astronauten der amerikanischen Raumfähre Discovery, die endlich nach Hause wollen. Das wollte die Crew der Columbia im Februar 2003 auch, doch weil während des Starts ein Brocken Isolierschaum den Hitzeschild ihres Shuttles beschädigt hatte, verbrannte sie, als der Raumgleiter auf die Erdatmosphäre prallte.

Auch diesmal trug das Raumfahrzeug zu Beginn des Fluges Schäden davon. Die Nasa löschte daraufhin sämtliche Startpläne ihrer Raumfähren und hetzt nun von einem Notfallplan zum anderen. Vermutlich haben ihre Shuttles während der Startphasen schon immer einiges abbekommen, aber heutzutage sehen die Kameras eben schärfer als vor ein paar Jahren. Folglich haben die Sicherheitsingenieure mehr zu tun.

Haben sie zuvor genug getan? Den Schaumstoff, dessen Oberfläche extrem heiß wird und dessen Unterseite eiseskalte Tanks isoliert, haben sie offenbar nicht bis zu dessen Zerstörung getestet. Stattdessen begnügten sie sich mit dem Hochrechnen von Ergebnissen, die im Labor gewonnen wurden. Wieso? In der Luftfahrt-, der Automobil- oder in der Kerntechnik sind realistische Prüfungen zwingend. Aber das ist etwas anderes: Geht dort etwas schief, sind eben nicht nur Angehörige des Hochrisikoberufs Astronaut betroffen.

Das könnte eine Erklärung sein. Nicht aber eine Entschuldigung für mangelnde Sicherheitskultur. Die Geschichte der Nasa ist auch eine der kaputten Kabel, der bröckelnden Schutzschilde und der in Sicherheitsbereichen liegen gelassenen Schraubenschlüssel. Kritiker bescheinigen der Nasa seit Jahrzehnten eine Grundhaltung nach dem Motto "Es wird schon gut gehen" – so lautet die Juristenformel für grobe Fahrlässigkeit. Das hat systemische Gründe. Die Missionen der Nasa dienen dem politischen Prestige, ihre Auftragnehmer sind Großkonzerne und die Marktgesetze weitgehend außer Kraft gesetzt: schlechte Voraussetzungen für eine Technik-Kultur, die Kritik zulässt. Bezeichnenderweise wurde der aus den siebziger Jahren stammende Begriff des "groupthink", des Kritik vermeidenden Gruppendenkens, dem größeren Publikum erstmals durch eine Studie bekannt, die nach den Ursachen des Challenger- Unglücks von 1986 forschte.

Mittlerweile ließ die Nasa wissen, dass sich das Unfallrisiko der Shuttle-Flüge nicht, wie früher angenommen, im Bereich 1:1000 bis 1:10000 bewegt, es ist stattdessen zehn- bis hundertfach größer. Ziffern, die im Falle anderer Technologien unmittelbar zu deren Verbot führen würden.

Weshalb geht die Nasa ein solches Risiko ein? Befürworter der Raumfahrt mit Menschen weisen darauf hin, dass maschinelle Missionen an Grenzen stoßen. Das Hubble- Teleskop beispielsweise, dem die Astronomie so viel verdankt, konnte 1999 nur von einer Besatzung der Discovery repariert werden. Und wenn eines Tages wieder ein Asteroid drohen wird, das Leben auf der Erde beinahe auszulöschen, dann könnte es sein, dass die Roboter, die ihm entgegengesandt werden, einen Geologen aus Fleisch und Blut mitführen müssen. Doch insgesamt gesehen trifft es zu, dass Raumfahrtmissionen bis auf weiteres am besten von Maschinen erfüllt werden. Diese sind zumeist verlässlicher als der Mensch und neigen auch nicht dazu, aus Nervosität oder Übermut in die Vorgänge einzugreifen. Teuer ist die bemannte Raumfahrt überdies, weil die Reisenden ernährt und geschützt werden müssen.