Ein kompletter Umbau des Rentensystems von der gesetzlichen Pflichtversicherung zu einer freiwilligen privatwirtschaftlichen Vorsorge ist unmöglich: Dadurch würde den Jüngeren auf Jahrzehnte hinaus eine Doppelbelastung zugemutet, weil sie sich einerseits eine eigene Alterssicherung aufbauen, andererseits aber gleichzeitig alle bisher erworbenen Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllen müssten – nicht nur gegenüber den heutigen Rentnern, sondern auch gegenüber allen Arbeitenden, die schon jahrelang Beiträge eingezahlt haben.

Anders bei einer Zusatzvorsorge, mit der im Alter die gesetzliche Rente aufgebessert werden kann. Unumstritten ist, dass nach den Abstrichen durch die Rentenreform 2001 und die Kürzungen 2004 die gesetzliche Rente allein auf Dauer nicht mehr ausreicht, den gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Und längst nicht alle kommen in den Genuss von Betriebsrenten. Streitig dagegen ist, ob jedem selbst überlassen bleiben soll, in welchem Ausmaß er für den Ruhestand zusätzlich Geld auf die hohe Kante legt.

Die 2002 eingeführte, nach dem damaligen Sozialminister benannte Riester-Rente ist freiwillig. Mit ihr sollte den Plichtversicherten eine Möglichkeit geboten werden, die Verluste bei ihren Rentenansprüchen auszugleichen. Der Staat fördert diese zusätzlichen Rücklagen für den Ruhestand mit Zuschüssen oder Steuervergünstigungen, die bis 2008 noch stufenweise erhöht werden. Wegen der vielen Auflagen war die Riester-Rente zunächst als bürokratisches Monstrum verschrien, das viele potenzielle Anwärter abschreckte. Zu Beginn dieses Jahres wurde das Regeldickicht aber gelichtet, seither berichten Lebensversicherungen und Banken von einem verstärkten Zulauf. Dennoch ging der staatliche Anreiz weitgehend ins Leere, nur jeder Fünfte hat bisher von der Möglichkeit dieser Rentenaufbesserung Gebrauch gemacht.

Muss der Staat also die Bürger zur zusätzlichen Vorsorge zwingen, weil zu wenige die Notwendigkeit einsehen? Das fiskalische Interesse des Staates ist offenkundig: Genügt die Rente nicht, um im Alter den notwendigen Lebensunterhalt zu bestreiten, muss er mit Sozialhilfe – also mit Steuergeld – aushelfen.

Zwischen völliger Freiwilligkeit und strikter Pflicht ist auch eine Zwischenlösung denkbar: das so genannte Opting-out-Modell. Danach würden die Arbeitgeber einen Teil des Arbeitslohnes automatisch an eine Lebensversicherung, einen Investmentfonds oder eine Bank überweisen. Die Beschäftigten könnten wie etwa bei der Riester-Rente frei wählen, wie dieses Geld für sie angelegt werden soll. Sie hätten aber auch die Möglichkeit, ganz auf diese Zusatzversorgung zu verzichten. Sie müssten dies nur ihrem Unternehmen ausdrücklich mitteilen.

In den Vereinigten Staaten hat dieser psychologische Trick funktioniert, als das Modell in den achtziger Jahren eingeführt wurde. Dort hatten nach fünf Jahren immerhin 80 Prozent der Berufstätigen, die dafür infrage kamen, eine zusätzliche Altersvorsorge.