Die Experten sind sich nahezu einig: Die gesetzlichen Renten sind in Zukunft nur zu finanzieren, wenn die Berufstätigen später in Ruhestand gehen – also länger als bisher arbeiten. Die Politik sei "gut beraten", drängelt der Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, "das gesetzliche Renteneintrittsalter schnellstmöglich anzuheben". Aber wie?

Heute sind Männer und Frauen im Westen durchschnittlich gut 63 Jahre alt, wenn sie ihre Altersrente beantragen. Im Osten gehen die Männer mit 62 und die Frauen sogar schon mit 61 Jahren in Rente. Allerorten sind sie also deutlich jünger, als es das derzeitige Eintrittsalter von 65 Jahren vorsieht. Und doch: Unter den verschiedenen Möglichkeiten, die Lebensarbeitszeit zu verlängern, würde nichts die Rentenkassen so entlasten, wie die vom Gesetz vorgeschriebene Altersgrenze heraufzusetzen. Denn einerseits müssten die Arbeitenden und ihre Unternehmen dann länger Beiträge entrichten, um auf das heutige Rentenniveau zu kommen. Andererseits würde die Zeit schrumpfen, in der sich die Ruheständler ihrer Rente erfreuen könnten. Diejenigen, die trotzdem vorzeitig ihr Altersruhegeld beanspruchen, müssen dann höhere Abschläge hinnehmen. Allein die Verschiebung des Rentenalters um ein Jahr würde den Beitragssatz, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam aufbringen, um 0,8 Prozentpunkte mindern.

Bereits 2003 hat eine von der rot-grünen Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission unter Rürups Leitung empfohlen, die Altersgrenze zwischen 2010 und 2034 schrittweise auf 67 Jahre heraufzusetzen – jedes Jahr um einen Monat. Eine andere von der CDU initiierte Kommission, unter Vorsitz von Exbundespräsident Roman Herzog, schlug vor, bis 2023 einen "Korridor" zu schaffen: Ab dem Ende des 63. Lebensjahrs würde danach nur derjenige die volle Rente beziehen, der bereits 45 Versicherungsjahre erreicht hat. Alle anderen müssten bis 67 arbeiten.

Andere Varianten sind für die Rentenversicherungen weniger ergiebig. So brächte das Bemühen, lediglich die Frühverrentung einzudämmen, den Rentenversicherungen nur vorübergehenden Gewinn. Denn sie müssten später höhere Zahlungen leisten, weil mit jedem zusätzlichen Arbeitsjahr die Rentenansprüche steigen und gleichzeitig Abschläge entfallen. Ähnlich ist das Resultat bei der Verkürzung der Ausbildungszeiten: Dann würden die Rentenversicherer zwar mehr Beiträge kassieren, weil die Jungen früher eine Beschäftigung aufnehmen, aber der Ruhestand mit 65 bliebe unangetastet – und das bei weiter steigender Lebenserwartung.

Doch macht nicht der katastrophale Mangel an Arbeitsplätzen einen Strich durch alle Rechnungen mit der längeren Lebensarbeitszeit? Niemand weiß, wie der Arbeitsmarkt in 20 Jahren aussieht. Nach wiederum fast einhelliger Expertenmeinung wird bei schrumpfender Bevölkerung die Arbeitslosigkeit zurückgehen. Dafür müssten aber altengerechte Arbeitsplätze geschaffen werden. Notwendig wären auch Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, damit sich die Älteren für den Job fit halten können.