Das Kartell der Rentenschweiger ist gebrochen. In ihren Programmen zur überraschenden Bundestagswahl in diesem Jahr sind noch alle Parteien vage geblieben, soweit es um das große Thema der Alterssicherung und der Generationengerechtigkeit ging. Dann aber kam vergangene Woche die Nachricht, der Rentenkasse werde zum Ende des Sommers kurzzeitig das Geld ausgehen. Und über Nacht wurde die Rente zum Wahlkampfthema. Auf einmal fordert der CSU-Sozialpolitiker Horst Seehofer, die private Vorsorge müsse zur Pflicht gemacht werden, statt sie wie bisher nur als Riester-Rente zu subventionieren. Kanzlerkandidatin Angela Merkel widerspricht – bloß keine Pflicht im Wahlkampf diskutieren! Ihr CDU-Parteifreund Hartmut Schauerte will erst einmal sehen, ob sich die Rentenkrise mit mehr Wachstum überwinden lässt. Wenn nicht, müsse die Rente runter.

In den Wahlprogrammen hört sich das alles deutlich milder an. Keine Partei verlangt das, was doch alle ihre Experten gemeinsam vorschlagen: das Eintrittsalter für die volle Rente auf 67 hochzusetzen. Vorerst nicht, sagt die CDU/CSU, stattdessen will sie die Ausbildungszeiten verkürzen, damit die jungen Menschen früher zu Beitragszahlern werden. Nein, sagt auch die SPD, die indes die Frühverrentung weiter einschränken will. Einbußen bei der Rente verlangt direkt ebenfalls niemand. Die Union will Eltern einen Beitragsrabatt einräumen, die SPD private und betriebliche Vorsorge unterstützen. Die neue Linkspartei verlangt gar eine Mindestrente von 800 Euro und will, dass auch Beamte und Selbstständige in die Kasse einzahlen. Eine Bürgerversicherung schwebt langfristig auch den Grünen vor, die sich schon einmal zur Grundrente bekannt hatten, dies aber nun nicht mehr zum großen Thema erklären. Und die FDP will den Beitragssatz zur Rente senken und gleichzeitig beim Staat sparen – was nichts anderes bedeutet als niedrigere Renten, wenn kein Wirtschaftswunder geschieht.

Auch mit ihrem im vergangenen Jahr eingeführten Nachhaltigkeitsfaktor geht Rot-Grün derzeit nicht in die Offensive, bedeutet er doch Einbußen. Gerade dieser Faktor könnte die Rente sichern, indem er sie im Zaum hält – das allerdings nur, wenn neues Wirtschaftswachstum Raum schafft für die vorgesehenen Abschläge, ohne dass die nominale Rente sinkt. Und was geschieht, wenn das Wachstum weiter ausbleibt?

Schweigen in den Programmen.