Streik Ärzte streiken
Sie klagen über zu lange Arbeitszeiten, unbezahlte Überstunden und nicht besetzte Stellen. Heute gehen die Uniklinik-Ärzte auf die Straße. Doch dann wollen sie wieder mit den Arbeitgebern reden
Bis zu 2.000 Ärzte aus ganz Deutschland demonstrieren am Freitag in
Berlin. Damit steuert ihre Protestwoche auf den Höhepunkt zu. Im Streit
um Bezahlung und Arbeitszeiten von Klinikärzten signalisierte der
Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery,
unterdessen, sein Verband sei bereit, die Gespräche mit den
Arbeitgebern wieder aufzunehmen. »Wir wollen verhandeln«, sagte er am
Freitag. »Jeder, der mit uns redet, ist willkommen, und wenn er ein
gutes Angebot hat, dann kriegt er von uns auch einen Handschlag.«
Knapp
7.000 Ärzte von Universitätskliniken in Baden-Württemberg, Bayern,
Berlin und Hessen beteiligten sich seit Montag an Warnstreiks. Sie
kritisieren, dass sie bis zu 70 Stunden pro Woche arbeiten müssen und
fordern höhere Gehälter.
Allein an der Berliner Charité fallen nach Angaben der Ärzteinitiative jeden Monat 85.000 unbezahlte Überstunden an. Montgomery warnte außerdem vor einem Ausbluten der Universitätsmedizin. Mehr als 5.000 offene Arztstellen könnten wegen schlechter Arbeitsbedingungen nicht mehr besetzt werden, immer mehr Ärzte arbeiteten im Ausland. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Petra Selg kritisierte, Einkommensunterschiede verleideten jungen Ärzten die Arbeit im Krankenhaus.
An der großen Berliner Universitätsklinik gibt es rund 2.200 Ärztestellen, mehr als 1.000 Kollegen gehen auf die Straße. Die Ärzte werden in ihren Protesten von der Berliner Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin unterstützt. In der Klinik ist es während der Demonstration absolut ruhig. Der Notdienst arbeitet noch. Langfristig vereinbarte Termine werden von den Oberärzten eingehalten, während die zuständigen Ärzte auf der Straße sind.
"Keine Ärzte sind am billigsten" schreiben die demonstrierenden Ärzte von der Charité auf ihre Transparente. Andere formulieren: "Elite-Uni ohne Ärzte" oder "England wir kommen".
Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel, warnte im
Deutschlandfunk
allerdings, der Streit dürfe nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden.
Die Bundesländer, die die Unikliniken betreiben und deshalb als Arbeitgeber der Ärzte auftreten, streben ebenfalls neue Tarifgespräche an. Das hatte der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft der Länder, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), am Donnerstag gesagt. Die Verhandlungen waren im Frühjahr zunächst gescheitert. Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) brachte eine Verlagerung der Tarifzuständigkeit für die Krankenversorgung von den Ländern auf die Kliniken ins Gespräch.
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- Quelle (c) dpa, ZEIT online 5.8.2005
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