Die Ortschaft Calden liegt inmitten der grünen nordhessischen Hügellandschaft, unweit von Kassel. Sie ist nicht besonders groß, hat 7958 Einwohner, ein Rokoko-Jagdschlösschen und bald einen neuen Flughafen: Kassel-Calden International Airport. Es gibt in Calden zwar schon einen Flugplatz, aber der wurde seit den siebziger Jahren nicht mehr ordentlich renoviert und ist außerdem viel zu klein für den modernen Luftverkehr. Klassische Mittelstreckenjets wie eine Boeing 737 brauchen 2500 Meter, um auch bei Sturm und Regen hochzukommen. Deswegen soll schräg neben der alten und kurzen eine neue und lange Piste gebaut werden, so haben es die Gesellschafter der Flughafen GmbH Kassel beschlossen. Es sind die Gemeinde Calden, die Stadt Kassel, der Landkreis und das Land Hessen. Mehr als 150 Millionen Euro wollen sie sich den Ausbau kosten lassen.


Kassel-Calden ist nicht das einzige Projekt dieser Art. In der ganzen Republik rüsten Bürgermeister, Regierungspräsidenten und Landesfürsten für große Summen kleine Flughäfen auf. "Regionale Prestigeobjekte", ätzt die Lufthansa, "wie Schwimmbäder in den siebziger und achtziger Jahren." Von denen habe es nämlich viel zu viele gegeben – und auch mit Flughäfen ist das Land gut ausgestattet. Mehr als 400 zählt das Statistische Bundesamt, vom Großflughafen Frankfurt bis zur buckligen Graspiste an der Mecklenburgischen Seenplatte: 19 von ihnen bieten heute schon regelmäßige Verbindungen ins Ausland – und zahlreiche kleine würden gern mitmischen im internationalen Verkehr.

So soll Hof-Plauen eine neue Landebahn bekommen, die länger und breiter ist als die alte; dafür spendiert das Land Bayern voraussichtlich 31,8 Millionen Euro. Der ebenfalls geplante Ausbau des Airparks Allgäu in Memmingen dürfte den Freistaat bis zu 7,3 Millionen Euro kosten.

In Cochstedt in Sachsen-Anhalt werden derzeit Piste, Tower und Empfangshalle renoviert. Sie sind vergammelt, weil sie nie benutzt wurden. Nachdem der Flughafen in den Neunzigern für 40 Millionen Euro errichtet wurde, hat man ihn sofort wieder geschlossen. Niemand wollte landen. Trotzdem will die Landesregierung den Airport jetzt aufpolieren und ein zweites Mal versuchen, ihn an private Investoren zu verkaufen.

Mönchengladbach erhofft sich von einer längeren Startbahn zusätzliche Linienverbindungen. Bislang sind es bloß zwei am Tag: eine nach Heringsdorf und eine nach Stettin (mit Zwischenstopp in Heringsdorf). Wer weiter weg will, muss derzeit zum Flughafen Düsseldorf, aber der liegt ja zum Glück direkt nebenan: Von Tür zu Tür sind es weniger als 20 Minuten.

Lässt sich der Erfolg von Hahn wiederholen?

Droht hier eine Spekulationsblase bei Bonsai-Airports, die auch noch mit Steuergeld finanziert wird? Oder braucht wirklich jede Region ihren eigenen internationalen Flughafen?