Ein bisschen Scheinheiligkeit gehört zur Politik. Also ist es nicht verwunderlich, dass die Europäer anderen Völkern gern den Nutzen des Freihandels predigen, ihre eigenen Märkte aber mit Fantasie und Bürokratie für fremde Produkte verschließen. Und schließlich machen es die Amerikaner auch nicht anders. Mit ein wenig Zynismus ließen sich damit sogar die staatlich geförderten Niedrigpreise für europäische Agarprodukte auf dem Weltmarkt abtun - wären die Folgen in den armen Ländern nicht so tödlich.

Auch wenn man es kaum noch hören mag: Täglich sterben in der Dritten Welt Menschen, weil ihre landwirtschaftlichen Produkte keine Chance gegen die subventionierte Konkurrenz aus Europa und Amerika haben, und die Wahrscheinlichkeit, dass sich das bald ändert, ist in der vergangenen Woche wieder einmal gesunken. Wieder hat Europa im Prinzip zugesagt, seine Agarmärkte zu öffnen und seine Exportsubventionen für Nahrungsmittel abzubauen, ist in der Praxis jedoch kaum zu Konzessionen bereit. Verwundern sollte das nicht: Schon vor geraumer Zeit wurde die EU wegen ihrer Zuckerpolitik von der Welthandelsorganisation WTO verurteilt. Die Reform lässt noch immer auf sich warten. Und Anfang dieser Woche wurde die Union auch noch für ihren merkwürdigen Umgang mit der Banane gerügt.

Die Bananenmarktordnung illustriert das europäische Absurdistan bestens.

Französische Importeure hatten sich ihre Handelsbeziehungen in die ehemaligen Kolonien einst vergoldet, indem sie in der EU spezielle Einfuhrlizenzen durchsetzten. Diese erschwerten seither den Import der Dollar-Banane, also der Konkurrenz aus Lateinamerika. Auf Druck der WTO musste diese alte Regel schließlich beseitigt werden, doch sofort belegte die EU die Dollar-Bananen mit Zöllen. Dafür wurde sie nun erneut verurteilt, denn mit freiem Handel hat das nichts zu tun.

Soll es auch gar nicht, argumentiert die EU und spielt nun die Schutzmacht der armen Kleinbauern aus Afrika, der Karibik und dem Pazifik. Die wolle sie vor Billigkonkurrenz von den Chiquita-Plantagen schützen, so wie sie angeblich auch die Zuckerrohrbauern aus Afrika vor den Baronen aus Brasilien rettet.

Klingt gut. Nur mit guter Handelpolitik hat das alles nichts zu tun - und mit sinnvoller Entwicklungspolitik schon gar nicht. Sicher würde ein freier Agrarmarkt neue Verlierer hervorbringen, auch in Afrika. Doch denen hilft man besser durch das Ende der EU-Agrarpolik und eine echte Marktöffnung für all ihre Produkte, als ihre Volkswirtschaften an Sonderrechte zu gewöhnen, die jederzeit widerrufen werden können.

Das würde viel politische Kraft kosten. Also lassen wir alles beim Alten, spendieren ein paar Entwicklungsmilliarden. Und hören noch ein Band-Aid-Konzert.