Einmal mehr als Risikomuffel haben sich die deutschen Anleger erwiesen. Mag der Deutsche Aktienindex Dax auch Kurs auf die Marke von 5000 Punkten nehmen und seit Jahresbeginn rund 15 Prozent zugelegt haben, die deutschen Privatanleger sind nicht mit von der Partie. Das zeigen die frischen Halbjahreszahlen der Fonds- und Zertifikatebranche.

Nach Angaben des Fondsverbandes BVI zogen Privatanleger in den ersten sechs Monaten gut drei Milliarden Euro aus Aktienfonds ab. In die sicheren, aber wenig attraktiven Rentenfonds flossen dagegen fast 17 Milliarden Euro. Nicht viel besser sieht es in der Zertifikatebranche aus, die seit neuestem mit dem Derivate Forum etwas Licht ins Dickicht ihrer Angebote bringt. So flossen den Mitgliedsunternehmen des Forums, die nach eigenen Angaben rund die Hälfte des Zertifikatemarktes ausmachen, im ersten Halbjahr fünf bis sechs Milliarden Euro zu, vor allem für Aktienprodukte. Allerdings handele es sich bei den Aktienprodukten vornehmlich um gepufferte oder garantierte Formen der Aktienanlage, teilt das Forum mit. Auf gut Deutsch: Die Anleger partizipieren nur bis zu einem gewissen Grad an den Kursgewinnen. Alles darüber hinaus geht an die Bank, die dafür die Garantie nach unten gewährt.

Mehr Realismus denn Risikoscheu sieht mancher Beobachter in solcher Zurückhaltung. Die Anleger haben aus den Erfahrungen des Neuen Marktes gelernt, sagt Stefan Armbruster, Zertifikatechef der Deutschen Bank. Sie seien nicht mehr so gierig und mit sieben Prozent Rendite samt einem Risikopuffer glücklich und zufrieden.